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	<title>Kommentare zu: Walter Jens – Römerbrief 29 – Kapitel 16</title>
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		<title>Von: Arkadius</title>
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		<dc:creator>Arkadius</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jul 2009 10:47:48 +0000</pubDate>
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		<description>Bosheit und Wermut

Das kommt ganz bestimmt super an beim Kirchenvolk: die Schlacht ist bereits gewonnen.
Die Frage ist nur, wie die Welt aussieht, nachdem der Kampf endgültig vorbei ist. Der Konflikt findet ja zwischen Geist und Fleisch statt - genau das wird ja von Paulus letztgültig auf die Spitze getrieben; die bereits sehr weitgehende Penetrierung des Fleisches durch den Geist läßt sich wohl auch kaum bestreiten: sie äußert sich in zubetonierten Landschaften, ständigem Zivilisationslärm und einer Architektur, die nur noch die ästhetischen Prinzipien der Zahl und der geometrischen Form kennt.
Die Phallusfixierung der abendländischen Zivilisation (wieviel Finales liegt in diesem Wort: Abendland) kommt aus einer Verachtung gegenüber dem Weiblichen, die von vaterorientierten Religionssystemen vorangetrieben wurde.

Aber was red ich, diese schmutzige, chaotische Natur hat es nicht anders verdient; und ich hoffe doch sehr stark, daß der Himmel aus lauter Dreiecken, Quadraten und Trapezen besteht.

Ernsthaft, Storch: Du weißt, wie ich das sehe, mit dieser üblichen theologischen Interpretation von Golgatha.
Wenn ich mich so umsehe, kommt mir sowas vor, wie &#039;ne Durchhalteparole, die aus &#039;nem Volksempfänger im zerbombten Berlin tönt.
Es geht hier nicht um einen tatsächlichen kosmischen Kampf, sondern um die europäische Interpretation des Kosmos, die nunmal - auf Paulus beruhend - im Hinblick auf Geist und Fleisch antagonistisch ist (selbst die Materie an sich wird durch die heutige Physik so interpretiert), anstatt die Harmonie des Ganzen zu betonen.
Manchmal glaub ich echt, daß Paulus zeitweise an &#039;ner Überdosis Apfel litt, aber in irgendeinem Brief hat er ja auch eingestanden, was er für ein großer Sünder ist, wenn ich mich recht entsinne. LITERATUR...

Das ganze wird übrigens nicht besser dadurch, daß MAN das Wort &quot;böse&quot; durch das Wort &quot;schlecht&quot; ersetzt. Du hast aber recht, wann Du schreibst, daß gute Dinge Neid hervorrufen. Ich würde sogar glatt behaupten, daß sie - durch den Neid - ganze Theologien hervorrufen, die eine naturgegebene Unterscheidung von Gut und Schlecht umwerten und so aus dem Guten das Böse machen. Aber du kennst Dich ja, glaub ich, mit Nietzsche aus, mein lieber Storch...</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Bosheit und Wermut</p>
<p>Das kommt ganz bestimmt super an beim Kirchenvolk: die Schlacht ist bereits gewonnen.<br />
Die Frage ist nur, wie die Welt aussieht, nachdem der Kampf endgültig vorbei ist. Der Konflikt findet ja zwischen Geist und Fleisch statt &#8211; genau das wird ja von Paulus letztgültig auf die Spitze getrieben; die bereits sehr weitgehende Penetrierung des Fleisches durch den Geist läßt sich wohl auch kaum bestreiten: sie äußert sich in zubetonierten Landschaften, ständigem Zivilisationslärm und einer Architektur, die nur noch die ästhetischen Prinzipien der Zahl und der geometrischen Form kennt.<br />
Die Phallusfixierung der abendländischen Zivilisation (wieviel Finales liegt in diesem Wort: Abendland) kommt aus einer Verachtung gegenüber dem Weiblichen, die von vaterorientierten Religionssystemen vorangetrieben wurde.</p>
<p>Aber was red ich, diese schmutzige, chaotische Natur hat es nicht anders verdient; und ich hoffe doch sehr stark, daß der Himmel aus lauter Dreiecken, Quadraten und Trapezen besteht.</p>
<p>Ernsthaft, Storch: Du weißt, wie ich das sehe, mit dieser üblichen theologischen Interpretation von Golgatha.<br />
Wenn ich mich so umsehe, kommt mir sowas vor, wie &#8216;ne Durchhalteparole, die aus &#8216;nem Volksempfänger im zerbombten Berlin tönt.<br />
Es geht hier nicht um einen tatsächlichen kosmischen Kampf, sondern um die europäische Interpretation des Kosmos, die nunmal &#8211; auf Paulus beruhend &#8211; im Hinblick auf Geist und Fleisch antagonistisch ist (selbst die Materie an sich wird durch die heutige Physik so interpretiert), anstatt die Harmonie des Ganzen zu betonen.<br />
Manchmal glaub ich echt, daß Paulus zeitweise an &#8216;ner Überdosis Apfel litt, aber in irgendeinem Brief hat er ja auch eingestanden, was er für ein großer Sünder ist, wenn ich mich recht entsinne. LITERATUR&#8230;</p>
<p>Das ganze wird übrigens nicht besser dadurch, daß MAN das Wort &#8220;böse&#8221; durch das Wort &#8220;schlecht&#8221; ersetzt. Du hast aber recht, wann Du schreibst, daß gute Dinge Neid hervorrufen. Ich würde sogar glatt behaupten, daß sie &#8211; durch den Neid &#8211; ganze Theologien hervorrufen, die eine naturgegebene Unterscheidung von Gut und Schlecht umwerten und so aus dem Guten das Böse machen. Aber du kennst Dich ja, glaub ich, mit Nietzsche aus, mein lieber Storch&#8230;</p>
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