2 Kommt der Hochmut, kommt auch die Schande, bei den Bescheidenen aber ist Weisheit. (Sprüche 11,2 nach der Zürcher)

Hochmut ist ein anderes Wort für Arroganz oder negativen Stolz. Es ist eine innere Haltung die uns veranlasst mehr von uns zu halten als realistisch ist und uns zu überheben. Hochmütige Menschen neigen dazu sich in ihrem Nimbus alles zu können und zu wissen, lächerlich zu machen.
Wie viel weiser ist es, sein Licht etwas unter den Scheffel zu stellen und die eigenen Fähigkeiten realistischer zu betrachten! Weisheit ist häufig zusammen mit Bescheidenheit anzutreffen, denn Weisheit prahlt nicht. Das hat sie auch gar nicht nötig. Hochmut entspringt umgekehrt oft einer Unsicherheit die durch Aufschneiderei kompensiert wird. Wieder einmal ist es die innere Sicherheit des Weisen die ihn zu einem umgänglicheren Zeitgenossen macht.

[systematisch durch die Bibel]

Wundert Euch nicht, dass heute die Musiker während der Predigt auf der Bühne bleiben. Wir probieren heute etwas Neues aus und wollen gemeinsam sehr praktisch verschiedene Arten musikalischer Anbetung kennen lernen und üben. Die Bibel ist voller Anbetung Gottes, speziell im Alten Testament ist viel davon die Rede wie Gott ist, wer Gott ist und wie wir ihm begegnen und ihn anbeten können. Das ist ein großes Thema mit dem man sich viel und aus den verschiedensten Perspektiven beschäftigen kann. Wir wollen Euch heute nur drei Formen der Anbetung zeigen, die in den Psalmen und auch in unseren Gottesdiensten regelmäßig vorkommen.
Die Psalmen sind das Gebetsbuch Israels und auch wir als Gemeinde des Neuen Testamentes können viel aus ihnen lernen.

1 Lobpreis aus der eigenen Erfahrung

Bei einem Lobpreisertreffen haben wir darüber diskutiert mit welchen Worten man Gott anbeten kann. Muss Lobpreis immer positiv sein? Muss immer der Name Gottes darin vorkommen und Gott im Mittelpunkt aller Lieder stehen?
Sicherlich geht es in der Anbetung letzten Endes um Gott, aber das Ganze hat immer zwei Seiten. Auf der einen Seite haben wir Gott, der angebetet werden will und auf der anderen Seite den Menschen, der anbetet. Es ist nicht möglich, sich selbst aus der Sache rauszuhalten, also geht es um Gott und den Menschen.
Manche Psalmen haben nur einen einzigen Inhalt: Die momentane Befindlichkeit des Dichters. Viele dieser Psalmen entstanden in schwierigen Umständen und enthalten eigentlich nur an Gott gerichtete Klagen. Ich lese mal ein besonders drastisches Beispiel vor in dem jemand im babylonischen Exil seine ganzen negativen Gefühle vor Gott ausbreitet.

An den Strömen von Babel, / da saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten.
2 Wir hängten unsere Harfen an die Weiden in jenem Land.
3 Dort verlangten von uns die Zwingherren Lieder, / unsere Peiniger forderten Jubel: «Singt uns Lieder vom Zion!»
4 Wie könnten wir singen die Lieder des Herrn, fern, auf fremder Erde?
5 Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren.
6 Die Zunge soll mir am Gaumen kleben, / wenn ich an dich nicht mehr denke, wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe.
7 Herr, vergiß den Söhnen Edoms nicht den Tag von Jerusalem; sie sagten: «Reißt nieder, bis auf den Grund reißt es nieder!»
8 Tochter Babel, du Zerstörerin! Wohl dem, der dir heimzahlt, was du uns getan hast!
9 Wohl dem, der deine Kinder packt und sie am Felsen zerschmettert!
(Psalm 137 nach der Einheitsübersetzung)

Darf man wirklich so beten? Wir haben einige Gebete im Alten Testament die nicht eben vor Feindesliebe glänzen und bei denen ein neutestamentlicher Leser rot werden will. Wir haben eine religiöse Kultur entwickelt in der wir politisch korrekt mit Gott reden und in der Konsequenz unsere negativen Gefühle mit uns allein ausmachen. Vermutlich trägt diese Kultur zu den Burnouts und der Heuchelei bei, die man in der frommen Szene vorfindet und die Ungläubige so stört. Wenn man nicht mehr mit Gott ehrlich sein kann, mit wem dann?
Im Grunde ergibt es keinen Sinn einem allmächtigen Gott etwas vormachen zu wollen. Dennoch fällt es uns manchmal schwer wirklich unser Inneres vor ihm auszuschütten, wenn das Innerste negativ ist. Wir haben aber nicht einen Sommergott, der nur in den guten Tagen taugt sondern einen Gott für alle Tage der immer für uns da ist.
Im Gottesdienst ist es manchmal schwer, mit negativen Gefühlen umzugehen. Natürlich singen wir keine Lieder mit einer Pointe wie Psalm 137. Man muss sich nur einmal die Presse vorstellen, wenn man solche Lieder singen würde. Damit würde man es garantiert in den Kölner Express und die Bild schaffen. Statt dessen nehmen wir ein Modell des Neuen Testamentes:

13 Leidet jemand unter euch? Er bete. Ist jemand guten Mutes? Er singe Psalmen. (Jakobus 5,13 nach der Elberfelder)

Es gibt in jedem Gottesdienst die Möglichkeit, mit sich beten zu lassen, wenn man leidet. Aber auch in der Lobpreiszeit kann man dem Rat des Jakobus folgen. Wenn es mir schlecht geht, bete ich dennoch Gott an. Oft singe ich dann nicht die Lieder mit sondern nutze die Zeit in Gottes Gegenwart zum beten. Ich schließe die Augen, konzentriere mich auf Jesus und schütte ihm mein Herz aus.
Das ist viel besser als zu quatschen oder rauszugehen wenn man gerade nicht in Lobpreislaune ist. Wir haben auch manche Lieder, die sich weniger mit Gottes Größe als mehr mit unserer eigenen Befindlichkeit beschäftigen.
Davon wollen wir jetzt zwei singen und ich bitte Euch, die Zeit zu nutzen und ehrlich mit Gott und Euch selbst zu sein. Nutzt die Zeit um emotionalen Ballst abzuwerfen.

2 Anbetung Gottes

Einen wichtigen Teil der Anbetung hat mit dem tatsächlichen Lob Gottes zu tun. In Liedern dieser Kategorie wird Gott verherrlicht und man dankt ihm dafür dass er ist, wer er eben ist. Natürlich hat das mehr mit uns zu tun als mit Gott. Es rückt unsere Perspektive gerade und richtet uns auf den großen Gott aus dem wir dienen.

[Für den Chormeister. Nach dem Kelterlied. Ein Psalm Davids.]
2 Herr, unser Herrscher, / wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde; über den Himmel breitest du deine Hoheit aus.
3 Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob, / deinen Gegnern zum Trotz; deine Feinde und Widersacher müssen verstummen.
4 Seh’ ich den Himmel, das Werk deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt:
5 Was ist der Mensch, daß du an ihn denkst, des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst?
6 Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.
7 Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände, hast ihm alles zu Füßen gelegt:
8 All die Schafe, Ziegen und Rinder und auch die wilden Tiere,
9 die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, alles, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.
10 Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!
(Psalm 8 nach der Einheitsübersetzung)

Im Kolosserbrief ermahnt Paulus die Gemeinde: „Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist!” (Kolosser 3,2 nach der Elberfelder) Genau das geschieht in der Anbetung: Wir heben den Blick von unseren Problemen und schauen auf Gott. Dieser Teil kommt in den Psalmen häufig nach einem Teil in dem der Psalmist seinem Kummer Ausdruc verliehen hat. Nachdem wir unsere Lasten abgeworfen haben können wir Gott anbeten.
Philosophen aller Zeiten haben Gott diese Anbetung vorgeworfen. Sie stellten fest, dass kein Mensch sich so anbeten und anhimmeln lassen würde wie Gott es von den Menschen verlangt. Sie hätten Recht wenn es nur um einen Auftrag Gottes ginge. Ihr Denkfehler liegt darin, das sie nie selbst ihren Sinn über das Irdische erhoben haben und so nicht wissen, wie lebensnotwendig Anbetung für den geistlichen Menschen ist.
Gottes Anbetung geschieht nicht nur mit Worten sondern mit der ganzen Person. Der ganze Mensch betet an, nicht nur sein Mund. Deshalb drückt Anbetung sich auch in der körperlichen Haltung aus. Wir begegnen einem großen König und da gibt e seine gewisse Etikette. Oft missachten wir das und stellen unser Recht darauf, zu tun was wir wollen, über die Anbetung.
Paulus befahl, dass beim Gebet “heilige Hände erhoben werden” (2.Timotheus 2,8). David tanzte in der Anbetung. Im Alten Testament wurde ein Heidenkrach veranstaltet um Gott anzubeten. Um auf einen unichtbaren zu schauen kann es sinnvoll sein die Augen zu schließen um sich ganz auf Gott zu konzentrieren und von seiner Umgebung wegzuschauen.

3 Meditation und Proklamation

Die letzte Form der Anbetung, um die es heute geht, nenne ich Meditation und Proklamation. In der Meditation geht es darum, Gottes Wahrheit zu ergreifen; in der Proklamation darum, sie auf unser Leben anzuwenden. Ein Beispiel dafür ist Psalm 1 in dem es erst darum geht, Gottes Wort kennen zu lernen (Meditation) und dann um den positiven Einfluss den es auf uns hat, das Wort zu kennen.

Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, / nicht auf dem Weg der Sünder geht, nicht im Kreis der Spötter sitzt,
2 sondern Freude hat an der Weisung des Herrn, über seine Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht.
3 Er ist wie ein Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen.
4 Nicht so die Frevler: Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.
5 Darum werden die Frevler im Gericht nicht besteh’n noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.
6 Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten, der Weg der Frevler aber führt in den Abgrund. (Psalm 1 nach der Einheitsübersetzung)

Christliche Meditation ist das Gegenteil von östlicher Meditation. An diesem Punkt kommt es manchmal zu Verwirrungen. In der Meditation östlicher Religionen geht es darum leer zu werden. Christliche Meditation füllt uns mit Gottes Wort. Das hebräische Wort für „sinnen“ in Psalm 1 bedeutet wörtlich übersetzt „murmeln“. Dahinter steht das Bild dass man sich bis zum überlaufen mit etwas füllt. Man beschäftigt sich so intensiv mit einem Thema, dass man beginnt laut zu denken.
Wenn man etwas von Gottes Wahrheit mit dem Verstand begriffen hat geht es darum, es mit dem Herzen zu ergreifen. Es genügt nicht, zu wissen, dass Gott uns vergibt und wiederherstellt. Es muss Erfahrung, ein Teil von uns werden. Wir ergreifen eine Wahrheit indem wir sie aussprechen und uns dazu bekennen. Das neutestamentliche Wort für bekennen heißt wörtlich „dasselbe sagen“. Wir sagen das, was Gott sagt.

Um das zu verdeutlichen machen wir eine kleine Meditation. In der Meditation gibt es einige wenige Bibelverse mit Musik und bunten Bildern. Es geht darum, sich mit Bibeltexten zu beschäftigen.
Als Abschluss gibt es dann noch zwei Lieder, die Bekenntnistexte enthalten.

[Leider war es schwer, die Predigt aufzunehmen weil zwischendurch immer wieder Lieder gesungen wurden und es ganz schön abging.]

Eine falsche Waage verabscheut der HERR, ein volles Gewicht aber gefällt ihm. (Sprüche 11,1 nach der Zürcher)

In der langen Zeit bevor es genormte Gewichte und Waagen gab, war es üblich mit falschen Gewichten zu betrügen. Das funktionierte z.B. so, dass man seine Waage mit einem leichteren Gewicht wog als die Bezahlung. So entstand eine Differenz. Unser heute noch gebrauchter Ausdruck mit „zweierlei Maß messen“ stammt aus dieser Vorgehensweise.
Sprüche 11,1 ist also eine Aufforderung zur Ehrlichkeit und eine Absage Gottes an unehrliche Geschäftspraktiken. Gott verabscheut Betrug. Dieses Prinzip gilt auch heute noch und jeder gottesfürchtige Geschäftsmann sollte sich daran orientieren und sein Geschäft ehrlich und zuverlässig führen.
Jeder kommt einmal in die Versuchung fünfe gerade sein zu lassen. Dann ist es gut, dass wir Gottes Einstellung dazu kennen und uns jesusmäßig verhalten zu können.

[systematisch durch die Bibel]

Heute gibt es einen weiteren Teil über Tugenden und speziell die Frucht des Geistes aus Galater 5. Es wird um treue gehen und wir lesen noch einmal die Verse, die uns mittlerweile wohlbekannt sind:

22 Die Frucht hingegen, die der Geist Gottes hervorbringt, besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, 23 Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung. Gegen solches ´Verhalten` hat kein Gesetz etwas einzuwenden. (Galater 5,22-23 nach der NGÜ)

Jedes Mal, wenn ich über diese Verse nachdenke, gehen mir neue Lichter auf oder ich entdecke zumindest andere Aspekte. Dieses mal habe ich mich gefragt, warum Gott wohl extra in uns Tugenden schafft. Wieso ist es ihm so wichtig, manches in unserem Leben zu finden, dass er es sogar selber in uns hervorbringen will? Im Grunde genommen ist keine dieser Tugenden spezifisch christlich oder etwas, das man nicht in Menschen findet. Es gibt Menschen, die sind unglaublich geduldig, auch ohne dass sie Christen sind. Oder haben eine Selbstdisziplin, nach der sich mancher Christ nur die Finger lecken kann.
Scheinbar sind diese Tugenden also durchaus im Menschen veranlagt und es ist nicht unbedingt so, dass Gottes Geist sie aus dem Nichts hervorbringt, sondern vielleicht eher, dass er sie entwickelt. Aber wieso macht er das überhaupt uns verlässt sich nicht auf unsere eigene Kapazität Gutes aus unserem Charakter hervorzubringen?
Ich kann mir vorstellen, dass es daran liegt, dass er Menschen kennt und dass er weiß, dass man vieles selber machen muss, wenn man will, dass es gemacht wird. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass jemand von selbst auf etwas kommt oder an etwas denkt. Es ist besser, wenn man selbst dafür sorgt, dass es etwas da ist, was man unbedingt haben will oder braucht. Wenn man eine Grillparty macht ist es nicht klug, sich darauf zu verlassen, dass schon jemand die Würstchen oder eine Zange mitbringt. Es ist nicht einmal besonders klug, jemandem zu sagen, dass er Würstchen mitbringen soll, weil man bei so was leicht hängen gelassen wird und es besser ist, selber vorzusorgen. In diesem Sinne bringt Gott eigentlich alles selber mit, was nötig ist um sein Reich in dieser Welt zu bauen: Er gibt Gaben und hilft, den Charakter so zu entwickeln, dass wir mit seinen Gaben und Aufträgen verantwortungsvoll umgehen können.

Treue ist eine meiner Lieblingseigenschaften. Treue bedeutet Loyalität und Zuverlässigkeit. Sie bedeutet, dass man jemandem etwas anvertrauen kann. Es ist eine Eigenschaft, die ich bei mir selber sehr pflege und leider eine, die ich bei anderen oft vermisse. Ich sage das nicht aus einer richtenden Haltung heraus, es ist einfach so, dass viele Menschen unzuverlässig sind. Sie sagen, dass sie etwas tun oder ihnen etwas wichtig ist und tun dann das genaue Gegenteil. Oder sie brennen lichterloh, aber kurz für eine Sache, die sie schnell wieder drangeben.
Das Neue Testament ist sehr deutlich darin, dass Treue etwas ist, das Gott absolut schätzt und das er bei Menschen gerne sieht.

Vor Jahren habe ich eine Geschichte gelesen. Ich bin nicht sicher wo, meine aber, es wäre in einem Buch von Bill Hybels gewesen mit dem ich mich zu der Zeit viel beschäftigt habe. Er erzählte, dass er sich in der Gründungsphase seiner Gemeinde mit einem reichen und erfolgreichen Geschäftsmann zum Essen getroffen hatte. Der Mann hatte alles erreicht wovon die meisten Menschen träumen. Bill erzählte von seiner Vision eine Gemeinde zu bauen, die unerreichte erreicht und von seiner Berufung als Pastor. Mitten im Restaurant fing der Mann an zu weinen. Die Tränen liefen ihm die Wangen herunter und er erzählte, wie er selber als junger Mann dieselbe Vision gehabt hatte. Er hatte eine Bibelschule absolviert und verspürte den Ruf in den hauptamtlichen Dienst als Prediger. Er wollte Gottes Reich bauen und Seine Herrlichkeit erleben. Die Dinge entwickelten sich anders. Er nahm einen Job an und wurde befördert, machte Zusatzausbildungen und stolperte die Karriereleiter immer weiter hinauf. Schließlich war er ganz oben, musste aber zugeben, dass er das wichtigste im Leben verpasst hatte: Gottes Ruf.
Gott liebte diesen Mann. Er segnete ihn sogar! Keine Spur davon, dass Gott ihn verstoßen hätte oder hassen würde. Er hatte nur einfach seine Berufung verpasst.
Aus seelsorgerlicher Sicht tut es mir leid, solche Geschichten hören zu müssen. Sie passieren zu tausenden, ständig. Christen empfangen Gaben und Aufträge von Gott, sind eine Weile dahinter her mit ihren Gaben zu wuchern und ihre Aufträge anzugehen, und verlieren sie dann aus den Augen und machen etwas anderes. Am Ende stehen sie vor dem Ende ihres Lebens und müssen feststellen, dass sie das Wichtigste im Leben verpasst haben. So will ich nicht leben – uns sterben schon gar nicht. Es gibt nichts Wichtigeres, als in die gottgegebene Bestimmung zu kommen.
Treue sorgt dafür, dass wir keine Eintagsfliegen sind sondern das leben, was uns Gott gegeben hat. Es kommen immer Zeiten in denen man ohne Treue nicht durchhält, deshalb ist es so wichtig, treu zu sein und Gott diese Charaktereigenschaft in uns hervorbringen zu lassen. Ich habe von Eltern gehört, dass sie ihren Kindern keine Haustiere kaufen wollen. Das hat nichts mit bösem Willen zu tun und bedeutet auch nicht, dass sie ihren Kindern pelzige Hausgenossen missgönnen. Sie wissen einfach, dass die Begeisterung für den Hamster nur einen Monat anhält und dass danach die Eltern sich um die weitere Pflege des uninteressant gewordenen Haustieres zu kümmern haben.
Bei Kindern ist es total okay sich so zu verhalten. Sie stehen noch am Anfang ihres Lebens und ihrer charakterlichen Entwicklung und dürfen sich so verhalten. Bei Erwachsenen hingegen geht solches Verhalten gar nicht. Wir haben uns verantwortlich zu verhalten und dazu gehört Verlässlichkeit.
Noch schlimmer ist es, wenn eine geistliche Komponente dazu kommt und jemand untreu mit den Dingen Gottes ist. Im Laufe der Jahre habe ich so viele Leute kennengelernt, die mir mit leuchtenden Augen von ihrer großen Berufung erzählt haben oder von der Gabe, die sie in sich entdeckt haben. Wenn ich sie zwei Jahre später wieder darauf angesprochen habe, war oft alles wieder vorbei. Sie hatten nicht in die Gabe investiert und auch keine Anstrengungen unternommen, die Berufung zu leben und den Auftrag auszuführen.
Was wir einsetzen, entwickelt sich und was wir vergessen und nicht fördern, geht ein. Es ist egal wie begabt jemand ist; setzt er seine Gabe nicht ein und trainiert die Begabung, wird er sie wieder verlieren. Auch der begabteste Musiker muss üben und auch der berufenste wird durch Durststrecken hindurch müssen.
Normalerweise liebe ich es, Gottes Reich zu bauen, aber auch ich hatte schon über Monate hinweg Durststrecken in denen mich letztlich nur die Treue gerettet hat. Es gab Zeiten in denen ich dachte kotzen zu müssen, wenn ich noch eine Predigt halten müsste. Gerade in solchen Zeiten braucht man Treue. In den guten, einfachen Zeiten braucht man keine Treue, dann läuft ohnehin alles wie von selbst. Treue ist in den Zeiten gefragt in denen man versucht ist aufzugeben.
Ich möchte jeden ermutigen, treu mit dem zu sein, was Gott ihm gegeben hat. Lasst uns Gott den nötigen Raum geben, die komplette Frucht des Geistes in unserem Leben zu entwickeln. Dann haben wir an nichts Mangel und ein tragfähiges Fundament im Leben auf dem wir anderes aufbauen können.

[Audiopredigt dazu]

32 Die Lippen des Gerechten wissen, was Gefallen findet, der Mund der Frevler aber weiß Dinge zu verdrehen. (Sprüche 10,32 nach der Zürcher)

Diesmal fange ich hinten an. Ich hasse es, wenn Menschen Dinge verdrehen. Ich habe es so oft in Diskussionen erlebt, dass mir das Wort im Mund herumgedreht und ich habe es nie gemocht. Es ist nicht einfach, das nicht zu tun, gerade wenn man nur diskutiert um Recht zu behalten und zu gewinnen, ist es ein einfaches Mittel, die Wort des anderen so zu verdrehen, dass sie sich schließlich gegen ihn wenden. Schlechter Stil ist es dennoch und ich bemühe mich sehr darum, meinen Gesprächspartner erst einmal zu verstehen bevor ich etwa erwidere.
Gerade im Internet, wo man nicht ohne weiteres nachfragen kann, wie etwas gemeint ist und man sich nicht ins Gesicht schauen kann, wird sehr viel verdreht. Viele Diskussionen bei FaceBook oder in Blogs sind im Grunde total gegenstandslos und würden im echten Leben viel entspannter verlaufen als vor dem Computer.
Der Wortverdreherei des Frevlers setzt Salomo entgegen, dass der Gerechte weiß, was Gefallen findet. Das klingt auf den ersten Blick etwas seltsam. Bedeutet es, dass der Gerechte einem anderen nach dem Mund redet und nur das sagt, was ihm gefällt? Das wäre ja eine schöne Gerechtigkeit, die opportunistisch ist und den Konflikt scheut! Der Sinn erschließt sich, wenn man die Stelle in anderen Übersetzungen studiert. Luther übersetzt: „Die Lippen der Gerechten lehren heilsame Dinge.” Schlachter sagt: “Die Lippen des Gerechten verkünden Gnade.”
Damit werden gleich zwei Gegensätze zum Reden des Frevlers ausgedrückt: A) während der Frevler Worte verdreht und so verletzt, wird der Gerechte heilsame Worte sprechen und Menschen gesund machen. B) der Gerechte spricht gnädig. Nicht nur, dass er nicht verdreht, er redet auch au seiner positiven Haltung seinen Mitmenschen gegenüber. Er sieht das Beste in ihnen und geht mit roßen Vorschussvertauen und Wohlwollen in Gespräche.
Ich mag Diskussionen, gerne auch sehr kontrovers. Aber das Klima muss stimmen. Wenn sich Menschen unterschiedlicher Ansicht fair auf Augenhöhe begegnen ist es egal wie unterschiedlich die Meinungen sind. Man wird sich nicht auseinander dividieren sondern kann mit unterschiedlichen Meinungen zusammen unterwegs sein.

My first sermon in english. Thanks, Andy and Iris for the corrections. At the lighthouse in Antwerp.

Hello everybody. As I have only a brief time to my disposal and we are going to spend half of it on the translation, I will cut short the intruduction. My name is storch and I work as a pastor in the german city of Remscheid, which is located near Köln. We are a group of people called the Jesus Freaks, a movement about which you have probably heard of Ernsti. I am married since 1998 to Alex, no children so far.
The topic of my sermon is expressing the love of God. This works in both directions: I will mention three ways God expresses his love to us, but these are also three ways in which we as believers communicate God´s love to a world in desperate need for God. It is a very edifying topic and I hope sincerely that I am not going to bore you with it because it is so very hard to make use of humor in a language that one is not used to speaking.

The Apostle Paul was a guy in the Bible who wrote quite a bit of the New Testament and was busy preaching the gospel at the end of the earths. He did a lot of traveling in his life and was always driven by the desire to introduce the heathen (as they were labelled most politically uncorrectly) to Christ. In his epistle to the church in Rome, he shows us two principles and three ways which he used in his ministry to reach the unreached.
Although his hints are obviously old, I find that they still work today and are therefore worthy of consideration.

I will not venture to speak of anything except what Christ has accomplished through me in leading the Gentiles to obey God by what I have said and done– 19 by the power of signs and miracles, through the power of the Spirit. So from Jerusalem all the way around to Illyricum, I have fully proclaimed the gospel of Christ. 20 It has always been my ambition to preach the gospel where Christ was not known, so that I would not be building on someone else’s foundation. 21 Rather, as it is written: “Those who were not told about him will see, and those who have not heard will understand.” (Rom 15:18 NIV)

Principle #1: the testimony

First of all Paul tells us of his experiences. Today more than ever we live in a world that is interested in experiences. People don’t look for theories and nicely put words, they are interested in things that work. So the christians ought not to let the theologians do all the preaching for they will get us in a big mess understanding the gospel. We need people with first hand experience of a loving God.
Everybody who has experienced God must not be quiet but tell others of his or her experience. Our experience will lead the way more than anything else. That is not to diminish the worth of the bible or theological scholarship. But christianity is mostly about experience, not thinking.
This also puts a responsibility on the church. Churches should become places of experiences where nonbelievers can experience God’s power in prophecy, healing, worship and the like.

Principle #2: breaking ground

The second principle is not to build on grounds that have already been built upon. To reach people with the message of God we need of course previously unreached people. That seems to be self evident if one reads it in the New Testament, but it is in fact quite a revelation if you look at the church of our time. Much effort today is spent on the fellow christian more than the world. Some of our biggest churches in germany are big because they got believers from other local churches. This happens so often that the english language even has an expression for it: sheep stealing. I suppose that it is just the same with Belgium but this is just a supposition as I don’t know Belgium in any way expect for the great pralinés.
It is certainly more easy to reach the reached than to reach the lost. But it is more fun and worthwhile to reach the people our God wants to reach the most. So if in fact we have to invest effort to reach the reached, why not spend that and a little extra effort on the otherwise lost?
Let’s have a look on the ways Paul used to reach people.

Way #1: speak

The first way is to speak. That is obviously easy and self explanatory. The gospel can be expressed with the use of words. One can even be talked into the kingdom of God. The kind of religious speaking we are talking about is commonly spoken of as preaching. It is part of the great commission which Jesus left us as a legacy, to preach the gospel to the whole creation and teach them to live in Jesus’ ways.
That is not all about the work of the pastor. Every Christian should preach in the sense that he or she should share what they know about God and share their experiences. You can do this by all forms of talking and arts: Preach on a box, share with your friends, sing in a gospel choir and so on.
But you will soon discover that mere words are not enough and that there ought to be more.

Way #2: do

Paul not only said, he did something. This part is the most difficult to understand. You can „do“ a lot. So have a closer look at the greek. The original word has a similar wide use as the english or the german word. I suppose that the dutch word has also a very broad meaning. The same greek word is used in acts 9,36 where Luke tells us of a woman named Dorkas who “was always doing good and helping the poor.” I interpret Romans 15 in the light of this verse. The deeds of Paul were deeds of mercy, he helped people and showed them the love of God in a very practical way.
The New Testament exhorts this principle on several occasions. The clearest examples are given in the epistle of James who clearly states the fact that it is not enough to just serve words to people who need help. James proposes that if some naked folk came into the service and all they get is the good advice: “Go ahead and cloth yourselves”, that this is just cheap talk and it helps no one. Faith has to become practical at some point as love is practical. There is no such thing as theoretical love and if there was it would profit no one. If God’s love was mere theoretical and Jesus hadn’t died on the cross the way to heaven would still be sealed. So it would be if our proclamation of the gospel was only a theory. We need to add works to the speech.

Way #3: perform

The third way is in no means the last way. It is my favourite way, the one I have dedicated the last years to explore. It is a way mostly forgotten by most churches in the west, but deeply incorporated into missions in africa, south america and asia. It is the way of signs and wonders.
I came to know christ as a young man of 21 years. Before God showed me that he is real I was deeply suspicious of the existence of anything supernatural and despised religion as a whole. I especially saw no way of telling which of the manifold religions of the earth would be true. When you have several options to choose, by which criteria do you make the distinction? Everybody finds himself in the same position as I was in these years ago. If you go through the main shopping street of any western city, you get the whole variety: christan churches stand next to the mormons next to some weird New Age Cults next to political parties selling their social gospels next to mobile phone companies next to etc.pp.
The only way to know who is right is when God himself backs us up supernaturally. It is easy not to believe our words. But what about prophecy and healing? Jesus needed the supernatural for his preaching – how much more do we need it today?
The church ought to mature in all three ways and of course both principles. It’s not a matter of choose and pick but of growing in what God offers to us. Every believer will have an area in which it is more easy for them to show god’s love. That is perfectly alright, live what God himself wired you to be. The mission is after all, reaching the world by all means.

31 Der Mund des Gerechten lässt die Weisheit sprießen, eine falsche Zunge aber wird abgeschnitten. (Sprüche 10,31 nach der Zürcher)

Dass die Zunge des Gerechten einen positiven, befruchtenden Einfluss hat, ist in diesem Kapitel immer wieder thematisiert worden und bedarf so keiner weiteren Auslegung.
Der zweite Teil weist auf eine strafrechtliche Praxis in Israel hin und war durchaus wörtliche zu nehmen. Dabei verschleiert die Zürcher Übersetzung hier etwas den Sinn indem sie nahelegt, dass Lügnern oder Verleumdern die Zunge abgeschnitten würde. Luther ist näher an der Rechtspraxis des Alten Testamentes wenn er übersetzt: „Die falsche Zunge wird ausgerottet.” Natürlich galt das nicht für jede kleine Lüge, aber für Lügen, die einen anderen Menschen massiv schädigen konnten, wie z.B. eine falsche Mordanklage. Wikipedia schreibt dazu:

16 „Tritt ein frevelhafter Zeuge gegen jemand auf, um ihn eines Vergehens zu beschuldigen,
17 so sollen beide Männer in dieser Streitsache vor JHWH treten, vor die Priester und Richter zu jener Zeit,
18 und die Richter sollen gründlich nachforschen. Und wenn der falsche Zeuge ein falsches Zeugnis gegen seinen Bruder gegeben hat,
19 so sollt ihr mit ihm tun, wie er gedachte, seinem Bruder zu tun, damit du das Böse aus deiner Mitte wegtust,
20 auf dass die anderen aufhorchen, sich fürchten und hinfort nicht mehr solche bösen Dinge tun in deiner Mitte.
21 Dein Auge soll ihn nicht schonen: Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß.“ (5.Mose 19,16-21 nach der Einheitsübersetzung)

Eine falsche Anklage sowie Meineid sollen also nach dem Talionsprinzip behandelt werden: Was der Kläger dem Angeklagten zufügen wollte, soll ihm abverlangt werden. Angesprochen ist hier das Gericht, das Recht wahren und Zeugen von vorsätzlicher Verleumdung abschrecken soll. Kontext ist der Rechtsschutz für zu Unrecht als Mörder verfolgte Totschläger durch Asylorte (Dtn 19,4–7 EU) und die Regel, dass Todesurteile nur bei mindestens zwei unabhängigen Augenzeugen der Tat rechtsgültig sind (Dtn 19,15 EU). Umso schwerer wiegt für die Tora der Versuch, diesen Schutz mit falschen Beschuldigungen zu zerstören.“1

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Auge_für_Auge []
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