Die Lehre Jesu

Wie zu jedem christologischen Unterthema, könnte man auch über die Lehre Jesu sehr viel schreiben und sagen. Er hat über Ethik gelehrt, über Gebet, die Beziehung zu Gott, die Ehe, die Zukunft und über viele andere Themen. Es gibt allerdings ein Thema, dass aus allen anderen herausragt, weil Jesus darüber mehr gesagt hat als über jedes andere Thema: Gottes Reich.

Im Markusevangelium (1,15) beginnt Jesus seine öffentliche Tätigkeit mit der Verkündigung, dass Gottes Reich gekommen ist. Als Jesus seine Jünger ausgesandt hat, sollten sie Gottes Reich predigen (Markus 10,7 und Lukas 10,1). Paulus predigte Gottes Reich (Apostelgeschichte 28,31) und auch in den Briefen und der Offenbarung ist das Reich immer wieder Thema.

Gottes Reich ist ein sehr komplexes und vielschichtiges Thema. Es geht um eine Herrschaft, die teilweise schon sichtbar ist und teilweise erst durchbrechen wird, wenn wir im Himmel sind. Es ist ein Begriff, der teilweise sehr unterschiedlich in der Bibel verwendet wird und es lohnt sich, sich mit diesem Reich näher auseinander zu setzen. Dazu möchte ich bereits an dieser Stelle zwei Bücher empfehlen. Das erste ist eine ganz kleine und kurze Zusammenfassung des Themas von John Wimber. Es heißt „Einblicke ins Reich Gottes“ aus Wimbers Reihe „Nachfolge konkret“. Das andere ist wesentlich anspruchsvoller und tiefgehender; zudem leider nur auf englisch zu bekommen. Es ist von George Ladd und heißt „the gospel of the kingdom“. Nach seiner eigenen Aussage wurde John Wimber sehr stark von George Ladd geprägt, was seine Wahrnehmung und Theologie des Reiches angeht.

George Ladd beschreibt die theologische Komplexität des Reiches mit folgenden Worten:

Unser Problem kommt aus einer dreifachen Tatsache: (1) Einige Bibelstellen beziehen sich auf Gottes Reich als Gottes Herrschaft. (2) Einige Bibelstellen beziehen sich auf Gottes Reich als einen Bereich in den wir jetzt schon hinein können und in dem wir die Segnungen von Gottes Herrschaft erleben können. (3) Noch andere Stellen reden von Gottes Reich als von etwas zukünftigem, in das wir erst hinein können, wenn Jesus wieder gekommen ist und seine Herrschaft vollständig aufgerichtet hat. Somit hat Gottes Reich in verschiedenen Bibelversen drei unterschiedliche Bedeutungsvarianten.[1]

Gottes Reich ist durch den Tod und die Auferstehung Jesu bereits gekommen und wir können es erleben. Mit jeder Bekehrung, Heilung, Befreiung und Berührung durch den Heiligen Geist wird Gottes Reich in unserem Leben sichtbar. Aber erst nachdem Jesus wiedergekommen ist und Gericht gehalten hat, wird das Reich vollkommen da sein. Die beiden letzten Kapitel der Offenbarung zeigen uns, wie Gottes Reich in Vollkommenheit aussehen wird. Bis dahin leben wir in einer seltsamen Spannung: Wir haben das Reich bereits, aber noch nicht komplett. Die Spannung zwischen „schon jetzt“ und „noch nicht“ bestimmt ständig unser Leben als Christen in dieser Welt. Gottes Reich kommt jedes Mal wenn ein Gebet sich erfüllt und wir werden jedes Mal daran erinnert, dass es noch nicht komplett durchgebrochen ist, wenn wir beten ohne dass etwas passiert.

Man kann sich diese Spannung vorstellen wie einen Sonnenaufgang: es sind schon Sonnenstrahlen sichtbar und hin und wieder gibt es auch einen Fleck, der schon warm ist. Aber es ist noch lange bis zum Mittag.

Ich finde es allerdings noch korrekter, sich Gottes Reich als etwas vorzustellen, das uns bereits jetzt zur Verfügung steht und das sozusagen parallel zu unserer Welt besteht.

In dieser Darstellung ist Gottes Reich immer schon da, denn es gab ja schon immer Gottes Welt, in der er herrscht. In der Schöpfung scheinen beide Reiche miteinander verbunden zu sein: es gab keine Sünde, Gott und die Menschen lebten bis zum Sündenfall zusammen. Nach dem Fall trennten sich beide Reiche und Satan wurde der Gott dieser Welt (2.Korinther 4,4). Gottes Reich zeigte sich auch während des Alten Bundes immer wieder mal in den Propheten, war aber kein fester Bestandteil dieser Welt.

In Christus hat sich das komplett geändert, denn er kam um das Reich vorzustellen und brachte mit Gottes Reich eine konkurrierende Realität in diese Welt hinein. Sein ganzer Dienst und die Verkündigung des Reiches waren eine Kampfansage an dieses weltlich-satanische System. Durch die Auferstehung und die Ausgießung des Heiligen Geistes steht uns dieses Reich zur Verfügung. Wir sind Kinder dieses Reiches, auch wenn wir noch in der Welt leben. Es ist klar, dass wir nicht in allen Segnungen dieses Reiches leben weil wir ja auch in der Welt leben. Aber unser Auftrag ist derselbe den Jesus hatte: nämlich dieses Reich predigen und in diese Welt hineinbringen. So hat uns Jesus zu beten gelehrt: „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe“ (Matthäus 6,10). Unsere Sehnsucht und unser Auftrag ist es, dieses Reich mehr und mehr kommen zu sehen.

Wir leben in einer seltsamen Zeit: wir haben zwei Könige. Der rechtmäßige König Jesus hat seine Herrschaft noch nicht komplett aufgerichtet und herrscht zunächst noch in den Menschen, die sich ihm unterordnen. Noch herrscht der Teufel, auch wenn seine Herrschaft bereits gebrochen ist, und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sie komplett vorbei sein wird.

John Wimber listet fünf Bereiche auf, in denen Jesus die Überlegenheit von Gottes Reich über das Reich dieser Welt gezeigt hat[2]:

  1. Dämonen: dadurch, dass Jesus ständig Dämonen austrieb wurde deutlich, dass Satan Gottes Reich nichts entgegenzusetzen hat.
  2. Krankheit: ungefähr 15% der Verse in den Evangelien handeln von Heilung. Damit hat Jesus die Realität eines Reiches ohne Krankheit gezeigt.
  3. Natur: die Beschreibung des Paradieses im ersten Buch Mose zeigt, dass gefährliche Naturphänomene erst nach dem Sündenfall auftraten. Indem er den Sturm gestillt hat, zeigte Jesus, dass es in Gottes ewigem Reich auch keine Naturkatastrophen mehr geben wird.
  4. Tod: Jesus holte Menschen vom Tod zurück und stand selbst wieder von den Toten auf. Gottes Reich ist stärker als der Tod.

Jesus war sich der Herrschaft Gottes und ihrer Überlegenheit über die Welt stets bewusst. Er lebte mit einer göttlichen Perspektive auf die Welt und das Leben. Um Gottes Reich ebenso in Vollmacht und Kraft zu bringen, müssen auch wir diese Perspektive haben. Wer stets mehr von der Welt beeindruckt ist als von Gottes Königreich, wird kaum erleben, was Jesus erlebt hat. Es gibt allerdings noch zwei bedeutende Schlüssel die erklären, warum Jesus Gottes Reich so effektiv verkündet hat.


[1] George Eldon Ladd, Seite 22. Übersetzung: Storch

[2] John Wimber, Seiten 22ff

20 Die Weisheit ruft auf der Strasse, auf den Plätzen erhebt sie ihre Stimme.
21 Im grössten Lärm ruft sie, am Eingang der Stadttore spricht sie ihre Worte:
22 Wie lange noch, ihr Einfältigen, liebt ihr die Einfalt, und wie lange gefällt den Spöttern ihr Spott und verschmähen die Dummen die Erkenntnis?
23 Wenn ihr umkehrt auf meine Ermahnung hin, dann will ich meinen Geist strömen lassen für euch, meine Worte will ich euch kundtun.
24 Weil ich gerufen habe und ihr nicht wolltet, weil ich meine Hand ausgestreckt habe und niemand darauf acht gab,
25 und weil ihr jeden Rat von mir in den Wind geschlagen habt und meine Ermahnung nicht wolltet,
26 darum will auch ich lachen bei eurem Unglück; wenn Schrecken über euch kommt, will ich spotten,
27 wenn Schrecken über euch kommt wie ein Unwetter und euer Unglück wie ein Sturm heranzieht, wenn Not und Angst euch überfallen.
28 Dann werden sie mich rufen, ich aber werde nicht antworten, sie werden mich suchen und nicht finden,
29 weil sie die Erkenntnis verachtet und sich nicht für die Furcht des HERRN entschieden haben.
30 Meinen Rat haben sie nicht gewollt, jede Ermahnung von mir haben sie verschmäht,
31 darum müssen sie essen von der Frucht ihres Weges und satt werden von ihren Plänen.
32 Denn ihre Untreue bringt die Einfältigen um, und die Dummen richtet ihre Sorglosigkeit zugrunde.
33 Wer aber auf mich hört, wohnt sicher und hat Ruhe vor dem Schrecken des Unheils. (Sprüche 1,20-33 nach der Zürcher)

Zum ersten Mal wird in diesen Versen die Weisheit personifiziert. Sie selber ruft im regen Treiben der Plätze, nicht etwa ein Weiser oder ein Lehrer, sondern sie selbst. Diese Personifikation ist poetisch und klingt ähnlich, wie die prophetische Sprache des Alten Testamentes über Gott selbst redet. Auch er streckt seine Hand aus, ruft Menschen, versucht sie zu erreichen und muss nachher zusehen, wie sie in ihr Unglück laufen.
Auch wenn Gott und die Weisheit sprachlich so nahe gestellt werden bedeutet das nicht, dass wir es im Alten Testament mit mehreren Göttern zu tun hätten, von denen einer die Weisheit ist. Die Weisheit ist keine reale Person und sie ruft die Menschen auch nicht in letzter Konsequenz zu sich selbst. Sie ist eine Mittlerin, deren Ziel es ist, Menschen hin zu Gott zu erziehen. Hier ist ein interessanter Kreislauf. Sprüche 1,7 sagt, dass der Anfang der Weisheit die Furcht des Herrn ist; Sprüche 1,27 sagt, dass die Furcht des Herrn durch die Erkenntnis kommt, die Weisheit vorbereitet. Wer sich für Weisheit interessiert, wird Gott kennenlernen und in Ehrfurcht vor Gott in Weisheit wachsen. Es ist schon Weisheit, Gott überhaupt zu suchen, wer ihn gefunden hat, wird aber noch in Weisheit wachsen. So ist es mit allem: Liebe kann uns zu Gott führen und wir wachsen in Liebe, wenn wir ihn gefunden haben. Ebenso mit Barmherzigkeit, Hingabe, Gebet usw. Gott heiligt das, was uns zu ihm geführt hat und gibt uns mehr davon als wir je hatten.

Diese Verse sagen zweierlei über die Weisheit aus, von dem das eine nicht selbstverständlich ist:

1) Die Weisheit kann uns da am nächsten sein, wo wir sie am wenigsten vermuten. Sie ruft mitten im Gewusel der Welt, also da, wo man sich garantiert nicht um sie bemüht. Damit steht sie nicht allein da, alles was von Gott kommt oder zu ihm führt ist gerade da, wo Menschen sind. Gott begegnet uns immer dort wo wir sind. Eines der größten Missverständnisse der Kirche ist es, dass man Gott am besten in ihr findet. So warten Christen in ihren Gemeinden darauf, dass Ungläubige kommen und sich für Gott interessieren. Wie oft haben wir neidisch auf Missionare geschielt, die alles mit Gott erlebt haben, was wir erleben wollten, und das gerade an Orten die – naja – ungöttllich sind? Im Grunde ist das klar, Gott lässt sich von denen finden, die ihn suchen und brauchen; und die findet man meistens außerhalb der Kirche.
Mit der Weisheit verhält es sich ebenso. Zwei Menschen werden sie suchen: der Mensch, der sie nicht hat und der spürt, dass sein Leben in eine falsche Richtung geht – und der, der sie hat und darum zu schätzen weiß. Es gibt nur sehr wenige Menschen, die Weisheit grundsätzlich ablehnen, viele suchen an den falschen Stellen, aber jeder, der mal ein Rat gesucht hat, weiß um ihren Wert.

2) Weisheit bewahrt vor Schaden. In der Weisheit zeigt sich Gottes Weg mit den Menschen. Wer auf diesem Weg geht, kann nicht in die Irre gehen. Vermutlich ist das einer der Hauptgründe dafür, dass manche so ungern Weisheit und Vernunft annehmen: weil Weisheit damit zu tun hat eine höhere (viel höhere) Instanz anzuerkennen. Menschen sind gern unabhängig, selbst wenn sie damit nur Ärger haben. Es fällt vielen von uns schwer, unser Leben abzugeben und mehr auf Gottes Rat zu hören als auf unseren eigenen.
Wenn aber die Furcht des Herrn der Anfang der Weisheit ist, dann ist Gott selber ihr Anfang. Weisheit beginnt so mit einer Kapitulation vor Gott, denn niemand kann Gottesfurcht haben, der keine Beziehung zu Gott hat.

Oft tritt das Leben Jesu hinter seiner Lehre zurück. Es interessieren sich mehr Menschen für seine Lehren als für seine Person. Nichtchristen beschreiben Christen als  Menschen, die nach den Lehren Jesu leben. Auch wenn ich meine, dass die Person Jesu wichtiger ist als seine Lehre, ist es für uns wichtig, uns mit der Lehre Jesu eingehend zu beschäftigen. Dieser Studienführer wirft ein paar Fragen auf und liefert Antworten, denen man im Selbststudium nachgehen kann.

Wie lehrte Jesus?

Bevor wir uns mit dem Inhalt der Lehre Jesu beschäftigen, müssen wir einen Blick darauf werfen, wie Jesus gelehrt hat. Für uns ist es heute undenkbar, dass eine so wichtige Person, die so viel zu sagen hatte wie Jesus, keine Bücher schreibt und es ihren Nachfolgern überlässt, ihre Lehre weiterzugeben. Dass es bei Jesus so war liegt daran, dass er kein moderner westlicher Mann war für den es selbstverständlich ist zu schreiben, sondern jemand, der aus einer Kultur des gesprochenen Wortes kam, die Geschriebenem grundsätzlich kritischer gegenüberstand als unsere Kultur.

Zu Jesu Zeiten wurden bereits seit Jahrhunderten Kommentare zum AT, Lebensregeln und Geschichten der Rabbinen vom Meister an den Schüler weiter gegeben. Das geschah alles mündlich, die erste Niederschrift fand erst 100-200 nach Christus statt. Dabei wurde sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Schüler die Aussprüche ihrer Meister und älteres Material auch wirklich auswendig konnten. Ein Zitat über Schüler lautet:

“Ein guter Jünger”, so sagten die Rabbinen, “ist wie eine ausgekalkte Zisterne, die nicht einen Tropfen (von der Lehre ihres Meisters) verliert”.[1]

Wenn ein Lehrer aus gesundheitlichen Gründen etwas vergaß, musste er es von seinen Schülern wieder lernen (McDowell, 319). Auf diese Weise wurde Wissen über Jahrhunderte exakt weitergegeben. Heute sind wir skeptisch, wenn uns jemand nur etwas erzählt. Wir wollen wissen, wo es steht und am besten noch ein Video dazu sehen. Das liegt daran, dass wir in einer schriftgeprägten Kultur groß geworden sind in der es üblich ist, Geschichten beim Erzählen auszuschmücken, um sie interessanter zu machen. Gelten tut ja ohnehin nur die schriftlich niedergelegte Version. Für Juden war es genau umgekehrt, sie dachten sich, dass Papier geduldig ist und man einfacher etwas fälschen kann wenn man es schreibt, als wenn man jemandem beim Zitieren in die Augen sieht.

Jüdische Überlieferungen enthalten immer wieder Hilfen zum auswendig lernen oder sind poetisch geschrieben um das auswendig lernen zu erleichtern. Auch in der Übersetzung kann man das noch an den Psalmen sehen. Manche klingen auch auf deutsch noch poetisch und andere enthalten im ersten Vers eine Anmerkung zur Melodie auf die man sie singen konnte. Es ist leichter, einen Liedtext zu lernen als einen theoretischen Text.

Jesus lehrte offenbar ähnlich wie andere Rabbinen. Möglich, dass seine Predigten tatsächlich so kurz waren, wie sie uns beim Lesen erscheinen. Auch über die Evangelien hinaus sind in der Bibel und anderen Büchern Aussprüche Jesu, sogenannte Agraphen, erhalten. Im ersten Jahrhundert gab es noch viele solcher Sprüche, die jemand auswendig gelernt hatte und einige Kirchenhistoriker des ersten Jahrhunderts zogen durch die Gegend um sie zu sammeln. Eine Aufgabe der frühen Kirche war es, die echten von den falschen Aussprüchen Jesu, die man Pseudigraphen nennt, zu trennen.

Die Aussprüche Jesu zeigen, dass sich Jesus ähnlicher Stilmittel bediente wie andere Lehrer. F.F.Bruce, ein Bibelgelehrter, der sich viel mit den Schriften des Neuen Testamentes beschäftigt hat, bemerkte:

Werden die Aussprüche Jesu und die Geschichten über ihn in den Evangelien aus dem Griechischen ins Aramäische rückübertragen, “so kennzeichnet diese Reden ein regelmäßiger poetischer Stil, ja mitunter liegen sogar Reime vor”. (F.F.Bruce)[2]

Darüber hinaus benutze Jesus permanent rhetorische Mittel wie Vergleiche, Übertreibungen und Metaphern. Robert H. Stein hat sich um die Erforschung der Methoden, die Jesus beim Lehren verwandte, sehr verdient gemacht. In seinem Buch „The Method and Message of Jesus’ Teaching[3]“, das leider nur auf Englisch erhältlich ist, hat er die rhetorischen Mittel in den Lehren Jesu genau untersucht. Eine oberflächlichere Einführung gibt es auch in meinem Predigerseminar[4]. Im Anhang an dieses Kapitel gibt es noch einen kleinen Überblick über rhetorische Mittel die Jesus verwandt hat. Oft hilft es dabei die Aussage zu verstehen, wenn wir diese Mittel kennen.

Zudem benutzte Jesus meist Gleichnisse zum Lehren, in denen er sich auf alltägliche Dinge stützte. Er hatte keine logisch aufgebauten drei-Punkte-Predigten, sondern nutzte den Alltag seiner Zuhörer, um über Gottes Reich zu sprechen. Diese Bilder werden in den Köpfen und Herzen der Zuhörer geblieben sein und sie verstanden auf diese bildhafte Weise, was Jesus ihnen mitteilen wollte.

[1] Josh McDowell, Seite 29

[2] Josh McDowell, S. 464

[3] Robert H.Stein, Seiten 7-33

[4] Storch, Predigerseminar, Seiten 36-53

10 Mein Sohn, wenn die Sünder dich verführen wollen, lass dich nicht darauf ein,
11 wenn sie sagen: Komm mit uns, wir wollen im Hinterhalt liegen, um Blut zu vergiessen, grundlos dem Unschuldigen nachstellen.
12 Wie das Totenreich wollen wir sie lebendig verschlingen, ganz und gar, wie solche, die hinab in die Grube steigen.
13 Viel kostbares Gut werden wir finden, unsere Häuser werden wir mit Beute füllen.
14 Du kannst dein Los mit uns werfen, wir alle werden nur einen Beutel haben.
15 Mein Sohn, geh ihren Weg nicht mit, lass deinen Fuss nicht auf ihren Pfad treten.
16 Denn ihre Füsse laufen zum Bösen und eilen, Blut zu vergiessen.
17 Vergeblich ist das Netz ausgebreitet vor den Augen aller Vögel.
18 Sie aber lauern darauf, ihr eigenes Blut zu vergiessen, und trachten sich selbst nach dem Leben.
19 So sind die Pfade aller, die hinter Gewinn her sind: Er nimmt denen das Leben, die ihn an sich bringen. (Sprüche 1,10-19 nach der Zürcher)

Die Verführung zum Bösen ist für jeden Menschen ein Problem. Schneller Spaß und schnelles Geld erweisen sich meist im Nachhinein als sehr viel teurer als man es angenommen hat. Im Lichte des Neuen Testaments wird diese Stelle noch vergrößert. Römer 3,10-18 benutzt Elemente der Beschreibung um die ganze Welt zu charakterisieren. Die Sünder in Sprüche 1,10 stehen somit für die ganze Welt, die Menschheit schlechthin, die uns permanent zum Bösen verführen will.
Damit ist etwas über die Weisheit gesagt, das nicht schön ist: sie steht im Widerspruch zur Welt mit ihren Verlockungen. Weisheit steht damit immer in einem Kampf gegen das Schlechte, das wir uns wünschen. Jeder würde sich wünschen, dass der Weg der Weisheit einfach ist, aber das ist er nicht. Im Grunde wurde das schon in der Einleitung deutlich in der es hieß, dass Weisheit mit Gottesfurcht beginnt. Es geht darum nach einem Kodex zu leben, den die Welt nicht kennt und den sie ablehnt. Wer so lebt wird zum Widerspruch und hat sich auf manchen Konflikt einzustellen.
Natürlich gelten diese Worte den Erwachsenen nicht weniger als den Kindern. Aber es ist wichtig, es gerade den Kindern beizubringen, denn es ist schwer durch die Schulzeit zu kommen und sich von schlechten Wegen fern zu halten. Es war immer schon cooler Mist zu bauen als keinen zu bauen. Gerade in Zeiten in denen man noch keine entwickelte Persönlichkeit hat ist es wichtig gute und integre Vorbilder zu haben die glaubhaft belegen, dass man nicht alles mitmachen muss. Persönlich denke ich, dass ich mir manches hätte ersparen können, wenn ich das früher begriffen hätte.
Die Schlüsselerkenntnis ist hier, wie bei allem, was mit Sünde zu tun hat, dass Verführung süß ist, aber ein bitteres Ende hat. Die Vögel sehen nur den Köder, dennoch fängt sie das Netz. So ist es auch beim Menschen, er sieht nur die Verlockung, nicht das Ende. Manchen hilft es beim Abnehmen, sich nicht vorzustellen, wie lecker dieses Stück Schokoladentorte sein wird, sondern wie fies es sich im Magen anfühlen oder auf der Waage aussehen wird. Das ist ein effektiver psychologischer Trick, der den Blick weg von der Versuchung auf das Ergebnis richtet. Das funktioniert auch in allen anderen Bereichen; wenn man das Netz sieht, verliert der Köder seine Attraktivität.

Jesus lebte übernatürlich 2 – Die Anwendung

Wir haben bereits im vorigen Kapitel festgestellt, dass unsere Startbedingungen den Startbedingungen Jesu absolut ähneln. Jeder wiedergeborene Christ ist vom Heiligen Geist gezeugt und hat einen göttlichen Kern in sich. Nun kommt noch ein weiterer Baustein hinzu, der uns Jesus sehr ähnlich sein lässt: auch wir können mit dem Heiligen Geist getauft werden und dieselben Wunder tun wie Jesus.[1]

Ich weiß, dass es fast wie Gotteslästerung klingt, so etwas zu sagen, aber wir sollten Jesus nicht auf ein so hohes Podest stellen, dass niemand ihn mehr erreichen kann. Er ist unser Vorbild, in jedem Bereich, so auch im Übernatürlichen. Wenn wir mit dem Heiligen Geist erfüllt sind, lebt in uns dieselbe Kraft, die Christus von den Toten auferweckt hat (Römer 8,11). Wir müssen verstehen, dass es nur einen Heiligen Geist gibt. Derselbe Heilige Geist, der in uns lebt, lebte in Jesus. Es ist derselbe Heilige Geist, den auch John G. Lake  und Maria Woodworth-Etter und alle anderen „großen“ Heilungsprediger hatten. Alle, die positive Erfahrungen im Heilungsdienst gemacht haben, taten das in der Kraft desselben Heiligen Geistes. Und dieser Heilige Geist lebt in Dir!

Der Mensch Jesus gab uns ein Beispiel dafür, was der Leib Christi tun soll. Er war der Leib Jesu, heute sind wir – seine Kirche – sein Leib. Wir haben denselben Auftrag und Geist, den Jesus hatte; es gibt ja nur einen Heiligen Geist! Dieser lebt heute in jedem geisterfüllten Gläubigen, der Jesus nachfolgt, deshalb können und sollen wir dieselben Wunder vollbringen wie er! Jesu hat an mehreren Stellen klar darüber gelehrt, dass wir seinen Fußstapfen auch – und gerade – im Übernatürlichen folgen sollen:

Als sie am nächsten Tag Betanien verließen, hatte er Hunger.

13 Da sah er von weitem einen Feigenbaum mit Blättern und ging hin, um nach Früchten zu suchen. Aber er fand an dem Baum nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit der Feigenernte.
14
Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll niemand mehr eine Frucht von dir essen. Und seine Jünger hörten es.
(…)
20
Als sie am nächsten Morgen an dem Feigenbaum vorbeikamen, sahen sie, dass er bis zu den Wurzeln verdorrt war.
21
Da erinnerte sich Petrus und sagte zu Jesus: Rabbi, sieh doch, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt.
22
Jesus sagte zu ihnen: Ihr müsst Glauben an Gott haben.
23
Amen, das sage ich euch: Wenn jemand zu diesem Berg sagt: Heb dich empor, und stürz dich ins Meer!, und wenn er in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass geschieht, was er sagt, dann wird es geschehen.
24
Darum sage ich euch: Alles, worum ihr betet und bittet – glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil. (Markus 11,12-24)

Jesus konnte an dem Baum keine Feigen erwarten, denn es war noch nicht die Zeit dafür. Allerdings haben Feigenbäume, bevor sie die eigentliche Frucht hervorbringen, schon Frühfeigen. Wenn am Baum Blätter sind, kann man davon ausgehen, dass er auch Frühfeigen hat. Diese Vorfrüchte schmecken noch nicht besonders gut, es sind eben unreife Feigen, aber wenn man Hunger hat, kann man sie schon essen.

Jesus suchte also an dem Baum Frühfeigen und fand sie nicht. Er ging dann hart mit ihm ins Gericht, und der Baum begann sofort von der Wurzel an zu verdorren. Als sie einen Tag später wieder an der Stelle angekommen waren, sahen sie zu ihrer Verwunderung, dass der Baum komplett verdorrt war.

Jesus nahm die Geschichte zum Anlass, um sie etwas über Gebet zu lehren. Er sagte nicht, dass er diese Dinge tun konnte, weil er Gott war, sondern er lehrte seine Jünger, dass sie noch ganz anderes tun könnten, wenn sie nur Glauben hätten. Jesus gibt uns hier einen Schlüssel, wahrscheinlich sogar DEN Schlüssel zu seinen Wundern: Glaube.

Man kann die Bedeutung des Glaubens gar nicht überbetonen. Glaube ist die himmlische Währung, die alles kaufen kann, er ist der Generalschlüssel zu allen Verheißungen Gottes und zu seiner Kraft. Nach der Theologie der meisten Christen hätte Jesus etwas in dieser Richtung sagen müssen: „Ich bin der Sohn Gottes, und deshalb kann ich diese Dinge tun. Ihr könnt das nicht, weil ihr nicht seid wie ich. Versucht das also nicht zuhause nachzumachen, Jungs!“ Stattdessen ermutigte er sie, dass sie sogar zu Bergen sprechen und für alles beten könnten, wenn nur der Glaube stimmen würde.

Wenn heute Christen sagen, dass wir nicht einmal versuchen sollten, dieselben Sachen zu machen wie Jesus, dann haben sie einen der Hauptpunkte seines Dienstes schlichtweg nicht verstanden. Es ist unser Auftrag und unser Vorrecht, im Glauben Berge zu versetzen. Egal, um welchen Berg es sich in Deinem Leben handelt, egal ob es Krankheit, Armut oder irgendetwas anderes ist, Du kannst im Glauben dazu sprechen. Egal, was Du brauchst, Du kannst im Glauben dafür beten und wirst es empfangen! Das ist eine Verheißung, ein Versprechen Jesu.

Statt seine Jünger zu entmutigen, seinem Vorbild zu folgen, weil sie es ohnehin nicht geschafft hätten, forderte Jesus sie heraus, dasselbe zu tun wie er und für noch mehr zu glauben:

Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. (Johannes 14,12)

Wenn man die Bibel ernst nimmt, ist das sicher eine der herausforderndsten Stellen überhaupt. Sie zeigt, dass es Jesu eigentliche Absicht war, seine Jünger zu Wundertätern auszubilden. Wenn er einmal nicht mehr leiblich bei ihnen wäre, sollten sie dieselben Taten vollbringen wie er und noch größere. Ebenso wie Jesus den Vater verherrlichte, sollen nun wir ihn verherrlichen. Was für ein wundervoller (im wahrsten Sinne des Wortes!) Auftrag.

Der Auftrag kommt sehr klar im Missionsbefehl heraus. Es gibt nur einen Missionsbefehl, den Jesus seinen Jüngern weiter gegeben hat. Er ist zwar in mehreren Fassungen wiedergegeben worden, je nachdem was dem jeweiligen Autor des Evangeliums am wichtigsten war, aber es war derselbe Auftrag. Seltsamerweise wird er fast immer nach Matthäus zitiert: „geht hin in alle Welt und macht alle Menschen zu Jüngern, indem ihr sie lehrt…“ Ich vermute, das liegt daran, dass wir uns mit der Matthäusfassung wohler fühlen weil sie nicht so übernatürlich ist wie Markus. „Gehen“ und „lehren“ kann man lernen, dafür braucht man scheinbar keinen Heiligen Geist, ein Bibelstudium reicht.

Es wäre aber eine grobe Verkürzung, wenn wir den Auftrag Jesu nur nach Matthäus predigen würden. Markus wirft ein wichtiges Licht darauf, wie wir unseren Auftrag erfüllen können. Nämlich in übernatürlicher Kraft:

Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden;
18
wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.
19
Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.
20
Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ. (Markus 16,17-20)

Diese Zeichen werden denen folgen, die gläubig sind. Der letzte Vers zeigt auch noch einmal deutlich, wie wichtig diese Zeichen und Wunder für Evangelisation sind. Sie weisen uns aus. Wenn Gott nicht nach der Verkündigung einmal kräftig „Amen!“ ruft, dann fehlt etwas.

Wir haben uns im Laufe der Kirchengeschichte ein falsches Bild davon angeeignet, was „jesusmäßig“ ist. Christusnachfolge ist zu einer Ansammlung ethischer Regeln geworden. Wie wir gesehen haben ist es auch nicht ganz verkehrt oder schlecht, denn die Nachfolge hat tatsächlich viel mit Heiligkeit zu tun, aber es ist unvollständig. Das Besondere an Jesus war nicht nur seine Heiligkeit; speziell sein Dienst war von Anfang bis Ende von einer starken Übernatürlichkeit geprägt, die wir ebenso begehren sollten wie seine Heiligkeit.
[1] Die Lehre von der Geistestaufe ist nicht Teil der Christologie. Klassisch macht die Pneumatologie, die Lehre vom Heiligen Geist einen eigenen Teil der systematischen Theologie aus. Insofern auch der Mensch davon betroffen ist, geht es auch in die Anthropologie, die Lehre vom Menschen hinein.

[Audiopredigt dazu]

8 Höre, mein Sohn, auf die Unterweisung durch deinen Vater, und verwirf nicht die Weisung deiner Mutter,
9 denn sie sind ein schöner Kranz für dein Haupt und eine Schmuckkette für deinen Hals. (Sprüche  1,8-9 nach der Zürcher)

Wie immer, so ist auch hier die Einteilung durchaus etwas willkürlich. Die Überschriften in den gedruckten Bibeln fassen die Sprüche zu etwas größeren Sinnzusammenhängen zusammen als ich es in dieser Reihe tue. Ich stelle mir vor, wie ein echter Vater mit seinem Sohn reden würde. Sicherlich würde er nicht immer einen großem Rundumschlag machen wenn er ihm etwas beibringen will. Er würde sich auf ein Thema konzentrieren und nicht gleich alles sagen, was ihm überhaupt einfällt. Deswegen werde ich meist nur wenige Verse nehmen und diese erläutern.

Dass in den Sprüchen von Söhnen, nicht aber von Töchtern die Rede ist, dürfte der damaligen Gesellschaftsordnung geschuldet sein. Töchter wären nicht zur Weisheit ausgebildet worden sondern nur zu praktischen Dingen, wie auch der letzte Abschnitt der Sprüche, das „Lob der tüchtigen Hausfrau“ belegt. Da wir aber heute in einer Gesellschaft leben, die speziell im Umgang mit den Geschlechtern ganz anders ist als die Welt der Sprüche, beziehen wir selbstverständlich auch immer die Töchter mit ein wenn von den Söhnen geredet wird. Auch sie lernen Weisheit und auch ihnen haben die Sprüche viel zu sagen.
Es ist wichtig, dass die Sprüche mit der Haltung des Kindes zu den Eltern beginnen. Weisheit lernt man von Anfang an. Noch bevor man in der Schule andere Lehrer bekommt, hat man das Vorbild und die Ermahnung der Eltern. Es ist kein Geheimnis, dass es Kindern nicht immer leicht fällt, von den Eltern zu lernen. Das war früher bestimmt nicht anders als heute. Die Bibel hätte nicht so viele Ermahnungen den Eltern zu gehorchen, wenn die Kinder es ohnehin getan hätten. Das Wesen der Menschen hat sich nicht geändert und Kinder waren vor Jahrtausenden nicht anders als heute.
Seltsam ist, dass man immer mehr an sich entdeckt, was die Eltern in das eigene Leben hineingelegt haben, je älter man wird. Je weiter man sich zeitlich von seiner Jugend entfernt umso mehr entdeckt man den Vater oder die Mutter in sich. Es ist ein Tatsache, dass sie zum Gutem wie zum Schlechten prägen. Hier kann man den Spruch missverstehen. Bedeutet er, sich immer unterzuordnen und jeden Weisung, auch die schlechte, anzunehmen? Sicher nicht, denn im ganzen Buch geht es um Weisheit und die erlernt man durch die weisen Lehrer, nicht durch die willkürlichen. Es ist eine Weisheit, Weisungen von den Eltern anzunehmen, aber die Voraussetzung ist, dass die Eltern Weisheit vermitteln.
Natürlich enthält diese Bibelstelle auch einen deutlichen Verweis auf die Zehn Gebote: „Du sollst Vater und Mutter ehren“.

Letztlich geht es um die Haltung gegenüber der Weisheit. Sie ist es, die einen Sohn der Weisung der Eltern gehorchen lässt. Am Ende erhält er etwas, was ihn schmückt. Weisheit ist eine Zierde.

[systematisch durch die Bibel]

Jesus lebte übernatürlich 1

Jesus konnte keine Kranken heilen. Ebenso wenig konnte er Menschen von Dämonen befreien oder Tote lebendig machen. Das anders zu sehen bedeutet zu missachten, was Jesus über sich selbst sagte und, was noch wichtiger ist, seine selbst gewählte Beschränkung als Mensch zu missverstehen (…) Jesus wurde jeden, der die Einladung annimmt das Unmögliche in seinem Namen zu tun. Er tat Zeichen und Wunder als Mensch, der in einer Beziehung zu Gott steht … nicht als Gott.[1]

Niemand, der die Evangelien liest, wird abstreiten, dass Jesus übernatürlich wirkte. Von der Empfängnis bis zu seiner Auferstehung zieht das Übernatürliche sich wie ein roter Faden durch sein Leben hindurch. Auf beinahe jeder Seite in den Evangelien ist von Heilungen, Sturmstillungen, Brotvermehrungen und ähnlichem die Rede. Das führt manchen zu der Annahme, dass Jesus etwas ganz besonderes, ein Art Übermensch, war mit dem niemand sich vergleichen kann.

Das ist aber ziemlich genau das Gegenteil von dem, was die Bibel sagt und was der Sinn des Dienstes Jesu war. Die Evangelisten haben das Leben Jesu nicht deshalb so detailliert aufgeschrieben damit wir sehen, was für ein ungewöhnlicher Mensch dieser Jesus Christus war, sondern damit wir seinem Beispiel nachfolgen und dasselbe tun wie er und seine Jünger. Deswegen ist es wichtig zu verstehen, dass Jesus seine Wunder nicht als Gott tat, sondern als ein Mensch, der mit dem Heiligen Geist getauft war und in der Kraft des Heiligen Geistes lebte.

Jesus heilte in der Kraft des Heiligen Geistes

Alle Wunder, die Jesus in den Evangelien vollbracht hat, wirkte er als Mensch. Paulus macht das im Philipperbrief sehr deutlich, wenn er schreibt:

Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht:
6
Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,
7
sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen;
8
er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. (Philipper 2,5-8)

Als Jesus Mensch wurde, entäußerte (griechisch kenō) er sich seiner Göttlichkeit. Man könnte auch sagen, dass er sich ihrer entleerte, er schüttete sie aus und wurde ein Mensch – ohne göttliche Attribute. Auch andere Bibelstellen, wie z.B. Matthäus 9,8 sprechen davon. In den ganzen 33 Jahren, die er hier lebte, war er nicht allgegenwärtig, allwissend oder allmächtig. Alles, was er an übernatürlichen Dingen tat, tat er in der Kraft des Heiligen Geistes. Das musste auch so sein, denn wie könnte jemand als Mensch gelten, wenn er von Natur alle göttlichen Eigenschaften hat?

Deshalb konnte Jesus keine Wunder tun, bevor er bei seiner Taufe mit dem Geist erfüllt wurde:

Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. (Matthäus 3,16)

Erst ab diesem Zeitpunkt konnte Jesus übernatürlich wirken. Seine Geistestaufe war der Startschuss für seinen Wunderdienst. Diese Tatsache ist so wichtig, dass der Feind sich schon immer bemüht hat, sie zu unterdrücken. Heute interessieren sich immer mehr Menschen dafür, was Jesus wohl als Kind getan hat – und finden tatsächlich Informationen in Pseudoevangelien. Diese Evangelien berichten davon, dass Jesus als Kind seine Spielsachen übernatürlich reparierte, tote Kleintiere auferweckte und verletzte Spielkameraden heilte. Auf den ersten Blick mag das niedlich erscheinen, aber dahinter steckt eine diabolische Strategie, die uns dem Vorbilde Jesu entfremden soll. Wenn Jesus schon vor seiner Geisterfüllung übernatürlich hätte wirken können, dann wäre es tatsächlich für uns nicht möglich, seinem Vorbild nachzueifern, weil wir „nur“ Menschen sind. Gerade deshalb betont Johannes es so, dass die Verwandlung von Wasser in Wein Jesu erstes Zeichen war:

Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt, und die Mutter Jesu war dabei.
2
Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.
3
Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.
4
Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
5
Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!
6
Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder fasste ungefähr hundert Liter.
7
Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand.
8
Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt, und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm.
9
Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam rufen
10
und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zuviel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.
11
So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn. (Johannes 2,1-11)

Es liegen uns zwar nicht über alle Wunder, die Jesus vollbrachte, detaillierte Berichte vor, aber wir wissen, dass sie sich alle zwischen seiner Geistestaufe und seiner Himmelfahrt abspielten.

[1] Bill Johnson, Seite 29. Übersetzung: Storch

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