Integrität und Kraft

Man kann die Lehre Jesu nur schlecht von seinem Leben trennen. Jesus lebte, was er lehrte und das wird mindestens zum Teil seine Anziehungskraft auf seine Zuhörer ausgemacht haben. Es war etwas hinter den Worten Jesu und wir können nicht ganz verstehen, was seine Lehre ausmacht, wenn wir das nicht wissen. Zusätzlich ist hier eine Lektion für jeden Prediger, der Gottes Evangelium weitergibt.

Wieder kann man es auf eine einfache Formel bringen: hinter der Lehre stand der Mensch Jesus und Gott. Bei der Person des Predigers geht es um die menschliche Seite, die sich in Integrität zeigt und um die göttliche Bestätigung, die sich in Kraft zeigt.

3.1 Integrität

Man sagt: „lebe, was Du predigst“ und meint damit, dass Leben und Predigt nach Möglichkeit übereinstimmen sollten. Es ist nicht korrekt, von anderen etwas zu verlangen, was man selbst nicht lebt. Der Standard, den man anderen zeigt, sollte auch an das eigene Leben angelegt werden. Den schwersten Vorwurf gegen die Pharisäer erhebt Jesus in Matthäus 23:

Das Lehramt des Mose haben heute die Schriftgelehrten und die Pharisäer inne. Richtet euch daher nach allem, was sie euch sagen, und befolgt es. Doch richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden zwar, handeln aber nicht danach. Sie binden schwere Lasten zusammen, die man kaum tragen kann, und laden sie den Menschen auf die Schultern: doch sie selbst denken nicht daran, diese Lasten auch nur anzurühren. (Matthäus 23,2-4 nach der NGÜ)

Die Lasten, die Pharisäer anderen aufbürdeten waren Gesetze und Vorschriften, nach denen niemand wirklich leben konnte. Sie konnten es selber nicht, verlangten es aber von anderen. Als sich später in der Apostelgeschichte die ersten Gemeinden gründeten, gab es eine große Diskussion darüber, nach welchen Geboten des AT und der rabbinischen Literatur sich die neuen Gläubigen zu richten hätten, die nicht aus dem Judentum kamen sondern Heidenchristen waren. Letztlich geklärt wurde der Konflikt in Apostelgeschichte15 damit, dass man den neuen Christen keine unnötigen Lasten aufbürden wollte – das Christentum war von Anfang an eine Religion der Freiheit und nicht des Gesetzes.

Über Jesus hätte freilich niemand sagen können, dass er nicht lebte was er predigte. Auch wenn er die Messlatte hoch hängte, verkörperte er seine Lehre und lebte sie.

Werdet also Nachahmer Gottes als geliebte Kinder (Epheser 5,1 nach Herder)

3.2 Gottes Kraft

Nicht nur der Mensch Jesus stand vollkommen hinter seiner Lehre und verkörperte sie. Auch Gott sagte regelmäßig „amen!“ zu dem, was Jesus sagte. Das wesentlichste Merkmal, das Jesus von den anderen Lehrern seiner Zeit unterschied, war Gottes Kraft, die in seiner Lehre sichtbar wurde. Ohne diese Kraft wäre er nur ein weiterer Lehrer gewesen, der weise Wort hat, aber durch die Kraft erkannten die Menschen, dass Jesus etwas Besonderes war und seine Lehre nicht von dieser Welt ist.

Am Ende der Bergpredigt war „die Menge von seiner Lehre tief beeindruckt, denn er lehrte sie nicht wie ihre Schriftgelehrten, sondern mit Vollmacht.“ (Matthäus 7,28-29 nach der NGÜ). Diese Vollmacht bezog sich also zunächst einmal darauf, dass durch seine Worte Herzen bewegt wurden. Auch in der Apostelgeschichte ist an mehreren Stellen die Rede davon, dass eine Predigt den Zuhörern durchs Herz geht. Wenn Jesus oder seine Apostel predigten, bewegte Gott die Herzen und bezeugte selbst, dass das Wort wahr ist.

Der deutlichste Beweis dafür, dass Gott sich hinter die Lehre stellte, waren allerdings die Zeichen und Wunder, die er tat, wenn Jesus das Evangelium verkündigte. Auch wenn die Zuhörer nicht immer alles verstanden, was Jesus ihnen sagte, merkten sie doch, dass Gott hinter ihm stand. Nikodemus, ein hochrangiger Schriftgelehrter sagt das sogar ausdrücklich in einem Gespräch mit Jesus.

„Rabbi“, sagte er zu ihm, „wir wissen, dass du ein Lehrer bist, den Gott gesandt hat. Denn niemand kann solche Wunder tun wie du, wenn Gott nicht mit ihm ist.“ (Johannes 3,2 nach der NGÜ)

Jesus zeigte es seinen Jüngern immer wieder, wie wichtig dieses göttliche „amen!“ ist und machte in beiden Fassungen des Missionsbefehls deutlich, dass Gottes Kraft ihre Predigten ebenso bestätigen würde wie seine. Es ist eine Sache, mit seiner ganzen Persönlichkeit hinter dem zu stehen was man sagt, aber noch eine ganz andere, wenn Gott selbst dahinter steht.

Nachdem Jesus zum Vater gegangen war erlebten die Jünger, dass er nicht zu viel versprochen hatte und Gott sie tatsächlich bestätigte. Auch wir sollten dafür beten und daran glauben, dass sich Gott zu seinem Wort stellt.

Sie aber gingen überallhin und verkündeten das Evangelium. Der Herr wirkte mit und bekräftigte das Wort durch die Zeichen die die Verkündigung begleiteten. (Markus 16,20 nach der NGÜ)

Mein Sohn, wenn du meine Worte annimmst und meine Gebote bei dir bewahrst,
2 wenn du der Weisheit dein Ohr leihst, dein Herz der Einsicht zuneigst,
3 wenn du nach Verstand rufst, mit erhobener Stimme nach Einsicht, 4 wenn du sie wie Silber suchst und wie nach Schätzen nach ihr forschst,
5 dann wirst du die Furcht des HERRN verstehen, und Gotteserkenntnis wirst du finden.
6 Denn der HERR gibt Weisheit, aus seinem Mund kommen Erkenntnis und Einsicht,
7 für die Rechtschaffenen hält er Hilfe bereit, ein Schild ist er denen, die schuldlos ihren Weg gehen.
8 Er schützt die Pfade des Rechts, und den Weg seiner Getreuen bewacht er. (Sprüche 2,1-8 nach der Zürcher)

„Mein Sohn“ weist nicht nur darauf hin, dass diese Sprüche vom Vater an an den Sohn weitergegeben wurden. Vielmehr wird jeder, der sie heute liest, zum „Sohn“ der Weisheit von seinem Vater lernt1. Man kann Weisheit nur lernen, wenn man in der Haltung eines Kindes kommt. Wer meint, schon alles begriffen zu haben, wird nichts lernen. Auch wenn das banal klingt, ist es in sich schon eine große Weisheit, denn letztlich bestimmt unsere innere Einstellung, ob wir überhaupt etwas lernen, oder ob wir Zeit verschwenden, wenn wir Bücher lesen. Wer an die Bibel herangeht wie ein Schüler, der etwas lernen will, der wird auch etwas lernen.
Unser Lehrer ist dabei in letzter Instanz nicht der Autor des jeweiligen Buches, oder des Spruches den wir gerade lesen. Der Lehrer ist Gott selber der zwischen den Zeilen der Bibel sein ewiges Wort in unser Leben spricht. Wir sollten an das Alte Testament nicht anders herangehen als an das Neue. Im NT sagt Johannes, dass der Heilige Geist selbst unser Lehrer ist (1.Johannes 2,27). Das trifft auf jeden Bereich unseres Lebens zu, deswegen sollten wir betend leben, mi t einem Ohr bei Gott. In den Sprüchen spricht Gottes Geist zu uns um uns zu lehren. Frag deshalb Gott im Gebet, wenn Du etwas nicht verstehst. Verlass Dich nicht auf diesen oder einen anderen Kommentar, den ein Mensch geschrieben hat. Kommentare können helfen, ersetzen aber nicht Gottes Reden. Nur Jesu Worte sind Geist und Leben (Johannes 1,68), erst wenn er die Bibel lebendig macht und wir als seine Söhne und Töchter lernen, entsteht Leben in uns.
Der Hauptpunkt dieser Verse ist, dass Weisheit begehrt sein will. Es gibt kaum etwas Wichtiges im Leben, dass man umsonst und ohne Anstrengung bekommt. Alles, was sich wirklich lohnt zu besitzen, muss man sich erkämpfen. Das erste Kapitel legte deshalb so viel Wert darauf, das Wesen der Weisheit zu zeigen, damit wir wissen, dass sie absolut begehrenswert ist. Es lohnt sich einen Preis zu zahlen, um sie zu bekommen. Bemerkenswert ist, dass es eine sprachliche Parallele zum Neuen Testament gibt. 1.Korinther 14 spricht von den Geistesgaben und gleich der erste Vers sagt: „eifert nach den Geistesgaben“. Gott gibt den Menschen verschiedene übernatürliche Gaben, aber wir müssen nach ihnen eifern, sie brechen in unserem Leben nicht durch, wenn wir sie gern hätten sondern wenn wir sie mehr als alles wollen.
Manch einer versteht das so, dass Gott nicht gerne gibt. So, als müsste man ihn schon sehr bearbeiten um Weisheit oder Gaben zu bekommen. Das ist nicht so. Gott gibt gerne. Es ist nur so, dass jedes Stück Erkenntnis und Freundschaft, jede Einsicht, Gabe und alles andere, das von ihm kommt das Potential hat unser Leben zu verändern. Wer nicht durch Begierde darauf eingestellt ist, wird den Segen nicht behalten können, wenn er das Leben verändert. Wenn wir uns nach Weisheit sehnen, bereitet uns das darauf vor, sie zu bekommen.

Das erste, das geschieht, wenn wir der Weisheit unser Ohr leihen, ist dass wir die Furcht Gottes verstehen. Wieder die Ehrfurcht vor Gott. Der Umkehrschluss sagt, dass es Menschen gibt, die diese Furcht nicht verstehen. Tatsächlich ist es so, dass es mir immer ein Rätsel war, wieso Christen tun, was sie tun und leben wie sie leben. Jesus selbst sagt in Johannes 3, dass ein Mensch, den Gottes Geist treibt, für andere nicht zu verstehen ist. Machen wir uns nichts vor: Christen haben etwas, das für Außenstehende nicht nachvollziehbar ist. Ich konnte beim besten Willen nicht verstehen, warum manche Menschen nicht nach dem Kodex des Spaßes leben wollten und keinen Gefallen an Sex, Drugs and Rock’n’Roll fanden. Die Furcht Gottes kam mir vor wie eine Angst vor Gott. Wenn jemand Angst vor Strafe oder gar der Hölle hat, kann ihn das sicherlich motivieren, enthaltsam zu leben. So stellte ich mir Christentum vor. Leider ist das auch eine Realität in der manche Christen leben, die selber die Furcht Gottes nicht verstanden haben.
Erst als ich Jesus immer besser kennen lernte verstand ich, dass Gottesfurcht bedeutet, manches nicht mehr zu wollen. Es gibt so viel besseres als Sünde, dass ich an vielem einfach den Spaß verloren habe. Ehrfurcht vor Gott bedeutet, etwas so unfassbar Großes im Leben zu haben, dass alles andere im Vergleich dazu verblasst. Weisheit führt uns dahin, das immer mehr zu verstehen.
Das zweite ist, dass Weisheit, Gotteserkenntnis und Gottesfurcht eine Eigendynamik entwickeln, die uns immer weiter an Gottes Herz führen. Das hat Einfluss auf unser ganzes Leben, dass sich immer auf Gottes Wegen abspielen wird, so dass wir seinen Schutz und Segen im Übermaß erfahren werden.

Anmerkungen:
1) Zum Gebrauch des Wortes „Sohn“ siehe auch Sprüche 1,8-9.

Die Lehre Jesu

Wie zu jedem christologischen Unterthema, könnte man auch über die Lehre Jesu sehr viel schreiben und sagen. Er hat über Ethik gelehrt, über Gebet, die Beziehung zu Gott, die Ehe, die Zukunft und über viele andere Themen. Es gibt allerdings ein Thema, dass aus allen anderen herausragt, weil Jesus darüber mehr gesagt hat als über jedes andere Thema: Gottes Reich.

Im Markusevangelium (1,15) beginnt Jesus seine öffentliche Tätigkeit mit der Verkündigung, dass Gottes Reich gekommen ist. Als Jesus seine Jünger ausgesandt hat, sollten sie Gottes Reich predigen (Markus 10,7 und Lukas 10,1). Paulus predigte Gottes Reich (Apostelgeschichte 28,31) und auch in den Briefen und der Offenbarung ist das Reich immer wieder Thema.

Gottes Reich ist ein sehr komplexes und vielschichtiges Thema. Es geht um eine Herrschaft, die teilweise schon sichtbar ist und teilweise erst durchbrechen wird, wenn wir im Himmel sind. Es ist ein Begriff, der teilweise sehr unterschiedlich in der Bibel verwendet wird und es lohnt sich, sich mit diesem Reich näher auseinander zu setzen. Dazu möchte ich bereits an dieser Stelle zwei Bücher empfehlen. Das erste ist eine ganz kleine und kurze Zusammenfassung des Themas von John Wimber. Es heißt „Einblicke ins Reich Gottes“ aus Wimbers Reihe „Nachfolge konkret“. Das andere ist wesentlich anspruchsvoller und tiefgehender; zudem leider nur auf englisch zu bekommen. Es ist von George Ladd und heißt „the gospel of the kingdom“. Nach seiner eigenen Aussage wurde John Wimber sehr stark von George Ladd geprägt, was seine Wahrnehmung und Theologie des Reiches angeht.

George Ladd beschreibt die theologische Komplexität des Reiches mit folgenden Worten:

Unser Problem kommt aus einer dreifachen Tatsache: (1) Einige Bibelstellen beziehen sich auf Gottes Reich als Gottes Herrschaft. (2) Einige Bibelstellen beziehen sich auf Gottes Reich als einen Bereich in den wir jetzt schon hinein können und in dem wir die Segnungen von Gottes Herrschaft erleben können. (3) Noch andere Stellen reden von Gottes Reich als von etwas zukünftigem, in das wir erst hinein können, wenn Jesus wieder gekommen ist und seine Herrschaft vollständig aufgerichtet hat. Somit hat Gottes Reich in verschiedenen Bibelversen drei unterschiedliche Bedeutungsvarianten.[1]

Gottes Reich ist durch den Tod und die Auferstehung Jesu bereits gekommen und wir können es erleben. Mit jeder Bekehrung, Heilung, Befreiung und Berührung durch den Heiligen Geist wird Gottes Reich in unserem Leben sichtbar. Aber erst nachdem Jesus wiedergekommen ist und Gericht gehalten hat, wird das Reich vollkommen da sein. Die beiden letzten Kapitel der Offenbarung zeigen uns, wie Gottes Reich in Vollkommenheit aussehen wird. Bis dahin leben wir in einer seltsamen Spannung: Wir haben das Reich bereits, aber noch nicht komplett. Die Spannung zwischen „schon jetzt“ und „noch nicht“ bestimmt ständig unser Leben als Christen in dieser Welt. Gottes Reich kommt jedes Mal wenn ein Gebet sich erfüllt und wir werden jedes Mal daran erinnert, dass es noch nicht komplett durchgebrochen ist, wenn wir beten ohne dass etwas passiert.

Man kann sich diese Spannung vorstellen wie einen Sonnenaufgang: es sind schon Sonnenstrahlen sichtbar und hin und wieder gibt es auch einen Fleck, der schon warm ist. Aber es ist noch lange bis zum Mittag.

Ich finde es allerdings noch korrekter, sich Gottes Reich als etwas vorzustellen, das uns bereits jetzt zur Verfügung steht und das sozusagen parallel zu unserer Welt besteht.

In dieser Darstellung ist Gottes Reich immer schon da, denn es gab ja schon immer Gottes Welt, in der er herrscht. In der Schöpfung scheinen beide Reiche miteinander verbunden zu sein: es gab keine Sünde, Gott und die Menschen lebten bis zum Sündenfall zusammen. Nach dem Fall trennten sich beide Reiche und Satan wurde der Gott dieser Welt (2.Korinther 4,4). Gottes Reich zeigte sich auch während des Alten Bundes immer wieder mal in den Propheten, war aber kein fester Bestandteil dieser Welt.

In Christus hat sich das komplett geändert, denn er kam um das Reich vorzustellen und brachte mit Gottes Reich eine konkurrierende Realität in diese Welt hinein. Sein ganzer Dienst und die Verkündigung des Reiches waren eine Kampfansage an dieses weltlich-satanische System. Durch die Auferstehung und die Ausgießung des Heiligen Geistes steht uns dieses Reich zur Verfügung. Wir sind Kinder dieses Reiches, auch wenn wir noch in der Welt leben. Es ist klar, dass wir nicht in allen Segnungen dieses Reiches leben weil wir ja auch in der Welt leben. Aber unser Auftrag ist derselbe den Jesus hatte: nämlich dieses Reich predigen und in diese Welt hineinbringen. So hat uns Jesus zu beten gelehrt: „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe“ (Matthäus 6,10). Unsere Sehnsucht und unser Auftrag ist es, dieses Reich mehr und mehr kommen zu sehen.

Wir leben in einer seltsamen Zeit: wir haben zwei Könige. Der rechtmäßige König Jesus hat seine Herrschaft noch nicht komplett aufgerichtet und herrscht zunächst noch in den Menschen, die sich ihm unterordnen. Noch herrscht der Teufel, auch wenn seine Herrschaft bereits gebrochen ist, und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sie komplett vorbei sein wird.

John Wimber listet fünf Bereiche auf, in denen Jesus die Überlegenheit von Gottes Reich über das Reich dieser Welt gezeigt hat[2]:

  1. Dämonen: dadurch, dass Jesus ständig Dämonen austrieb wurde deutlich, dass Satan Gottes Reich nichts entgegenzusetzen hat.
  2. Krankheit: ungefähr 15% der Verse in den Evangelien handeln von Heilung. Damit hat Jesus die Realität eines Reiches ohne Krankheit gezeigt.
  3. Natur: die Beschreibung des Paradieses im ersten Buch Mose zeigt, dass gefährliche Naturphänomene erst nach dem Sündenfall auftraten. Indem er den Sturm gestillt hat, zeigte Jesus, dass es in Gottes ewigem Reich auch keine Naturkatastrophen mehr geben wird.
  4. Tod: Jesus holte Menschen vom Tod zurück und stand selbst wieder von den Toten auf. Gottes Reich ist stärker als der Tod.

Jesus war sich der Herrschaft Gottes und ihrer Überlegenheit über die Welt stets bewusst. Er lebte mit einer göttlichen Perspektive auf die Welt und das Leben. Um Gottes Reich ebenso in Vollmacht und Kraft zu bringen, müssen auch wir diese Perspektive haben. Wer stets mehr von der Welt beeindruckt ist als von Gottes Königreich, wird kaum erleben, was Jesus erlebt hat. Es gibt allerdings noch zwei bedeutende Schlüssel die erklären, warum Jesus Gottes Reich so effektiv verkündet hat.


[1] George Eldon Ladd, Seite 22. Übersetzung: Storch

[2] John Wimber, Seiten 22ff

20 Die Weisheit ruft auf der Strasse, auf den Plätzen erhebt sie ihre Stimme.
21 Im grössten Lärm ruft sie, am Eingang der Stadttore spricht sie ihre Worte:
22 Wie lange noch, ihr Einfältigen, liebt ihr die Einfalt, und wie lange gefällt den Spöttern ihr Spott und verschmähen die Dummen die Erkenntnis?
23 Wenn ihr umkehrt auf meine Ermahnung hin, dann will ich meinen Geist strömen lassen für euch, meine Worte will ich euch kundtun.
24 Weil ich gerufen habe und ihr nicht wolltet, weil ich meine Hand ausgestreckt habe und niemand darauf acht gab,
25 und weil ihr jeden Rat von mir in den Wind geschlagen habt und meine Ermahnung nicht wolltet,
26 darum will auch ich lachen bei eurem Unglück; wenn Schrecken über euch kommt, will ich spotten,
27 wenn Schrecken über euch kommt wie ein Unwetter und euer Unglück wie ein Sturm heranzieht, wenn Not und Angst euch überfallen.
28 Dann werden sie mich rufen, ich aber werde nicht antworten, sie werden mich suchen und nicht finden,
29 weil sie die Erkenntnis verachtet und sich nicht für die Furcht des HERRN entschieden haben.
30 Meinen Rat haben sie nicht gewollt, jede Ermahnung von mir haben sie verschmäht,
31 darum müssen sie essen von der Frucht ihres Weges und satt werden von ihren Plänen.
32 Denn ihre Untreue bringt die Einfältigen um, und die Dummen richtet ihre Sorglosigkeit zugrunde.
33 Wer aber auf mich hört, wohnt sicher und hat Ruhe vor dem Schrecken des Unheils. (Sprüche 1,20-33 nach der Zürcher)

Zum ersten Mal wird in diesen Versen die Weisheit personifiziert. Sie selber ruft im regen Treiben der Plätze, nicht etwa ein Weiser oder ein Lehrer, sondern sie selbst. Diese Personifikation ist poetisch und klingt ähnlich, wie die prophetische Sprache des Alten Testamentes über Gott selbst redet. Auch er streckt seine Hand aus, ruft Menschen, versucht sie zu erreichen und muss nachher zusehen, wie sie in ihr Unglück laufen.
Auch wenn Gott und die Weisheit sprachlich so nahe gestellt werden bedeutet das nicht, dass wir es im Alten Testament mit mehreren Göttern zu tun hätten, von denen einer die Weisheit ist. Die Weisheit ist keine reale Person und sie ruft die Menschen auch nicht in letzter Konsequenz zu sich selbst. Sie ist eine Mittlerin, deren Ziel es ist, Menschen hin zu Gott zu erziehen. Hier ist ein interessanter Kreislauf. Sprüche 1,7 sagt, dass der Anfang der Weisheit die Furcht des Herrn ist; Sprüche 1,27 sagt, dass die Furcht des Herrn durch die Erkenntnis kommt, die Weisheit vorbereitet. Wer sich für Weisheit interessiert, wird Gott kennenlernen und in Ehrfurcht vor Gott in Weisheit wachsen. Es ist schon Weisheit, Gott überhaupt zu suchen, wer ihn gefunden hat, wird aber noch in Weisheit wachsen. So ist es mit allem: Liebe kann uns zu Gott führen und wir wachsen in Liebe, wenn wir ihn gefunden haben. Ebenso mit Barmherzigkeit, Hingabe, Gebet usw. Gott heiligt das, was uns zu ihm geführt hat und gibt uns mehr davon als wir je hatten.

Diese Verse sagen zweierlei über die Weisheit aus, von dem das eine nicht selbstverständlich ist:

1) Die Weisheit kann uns da am nächsten sein, wo wir sie am wenigsten vermuten. Sie ruft mitten im Gewusel der Welt, also da, wo man sich garantiert nicht um sie bemüht. Damit steht sie nicht allein da, alles was von Gott kommt oder zu ihm führt ist gerade da, wo Menschen sind. Gott begegnet uns immer dort wo wir sind. Eines der größten Missverständnisse der Kirche ist es, dass man Gott am besten in ihr findet. So warten Christen in ihren Gemeinden darauf, dass Ungläubige kommen und sich für Gott interessieren. Wie oft haben wir neidisch auf Missionare geschielt, die alles mit Gott erlebt haben, was wir erleben wollten, und das gerade an Orten die – naja – ungöttllich sind? Im Grunde ist das klar, Gott lässt sich von denen finden, die ihn suchen und brauchen; und die findet man meistens außerhalb der Kirche.
Mit der Weisheit verhält es sich ebenso. Zwei Menschen werden sie suchen: der Mensch, der sie nicht hat und der spürt, dass sein Leben in eine falsche Richtung geht – und der, der sie hat und darum zu schätzen weiß. Es gibt nur sehr wenige Menschen, die Weisheit grundsätzlich ablehnen, viele suchen an den falschen Stellen, aber jeder, der mal ein Rat gesucht hat, weiß um ihren Wert.

2) Weisheit bewahrt vor Schaden. In der Weisheit zeigt sich Gottes Weg mit den Menschen. Wer auf diesem Weg geht, kann nicht in die Irre gehen. Vermutlich ist das einer der Hauptgründe dafür, dass manche so ungern Weisheit und Vernunft annehmen: weil Weisheit damit zu tun hat eine höhere (viel höhere) Instanz anzuerkennen. Menschen sind gern unabhängig, selbst wenn sie damit nur Ärger haben. Es fällt vielen von uns schwer, unser Leben abzugeben und mehr auf Gottes Rat zu hören als auf unseren eigenen.
Wenn aber die Furcht des Herrn der Anfang der Weisheit ist, dann ist Gott selber ihr Anfang. Weisheit beginnt so mit einer Kapitulation vor Gott, denn niemand kann Gottesfurcht haben, der keine Beziehung zu Gott hat.

Oft tritt das Leben Jesu hinter seiner Lehre zurück. Es interessieren sich mehr Menschen für seine Lehren als für seine Person. Nichtchristen beschreiben Christen als  Menschen, die nach den Lehren Jesu leben. Auch wenn ich meine, dass die Person Jesu wichtiger ist als seine Lehre, ist es für uns wichtig, uns mit der Lehre Jesu eingehend zu beschäftigen. Dieser Studienführer wirft ein paar Fragen auf und liefert Antworten, denen man im Selbststudium nachgehen kann.

Wie lehrte Jesus?

Bevor wir uns mit dem Inhalt der Lehre Jesu beschäftigen, müssen wir einen Blick darauf werfen, wie Jesus gelehrt hat. Für uns ist es heute undenkbar, dass eine so wichtige Person, die so viel zu sagen hatte wie Jesus, keine Bücher schreibt und es ihren Nachfolgern überlässt, ihre Lehre weiterzugeben. Dass es bei Jesus so war liegt daran, dass er kein moderner westlicher Mann war für den es selbstverständlich ist zu schreiben, sondern jemand, der aus einer Kultur des gesprochenen Wortes kam, die Geschriebenem grundsätzlich kritischer gegenüberstand als unsere Kultur.

Zu Jesu Zeiten wurden bereits seit Jahrhunderten Kommentare zum AT, Lebensregeln und Geschichten der Rabbinen vom Meister an den Schüler weiter gegeben. Das geschah alles mündlich, die erste Niederschrift fand erst 100-200 nach Christus statt. Dabei wurde sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Schüler die Aussprüche ihrer Meister und älteres Material auch wirklich auswendig konnten. Ein Zitat über Schüler lautet:

“Ein guter Jünger”, so sagten die Rabbinen, “ist wie eine ausgekalkte Zisterne, die nicht einen Tropfen (von der Lehre ihres Meisters) verliert”.[1]

Wenn ein Lehrer aus gesundheitlichen Gründen etwas vergaß, musste er es von seinen Schülern wieder lernen (McDowell, 319). Auf diese Weise wurde Wissen über Jahrhunderte exakt weitergegeben. Heute sind wir skeptisch, wenn uns jemand nur etwas erzählt. Wir wollen wissen, wo es steht und am besten noch ein Video dazu sehen. Das liegt daran, dass wir in einer schriftgeprägten Kultur groß geworden sind in der es üblich ist, Geschichten beim Erzählen auszuschmücken, um sie interessanter zu machen. Gelten tut ja ohnehin nur die schriftlich niedergelegte Version. Für Juden war es genau umgekehrt, sie dachten sich, dass Papier geduldig ist und man einfacher etwas fälschen kann wenn man es schreibt, als wenn man jemandem beim Zitieren in die Augen sieht.

Jüdische Überlieferungen enthalten immer wieder Hilfen zum auswendig lernen oder sind poetisch geschrieben um das auswendig lernen zu erleichtern. Auch in der Übersetzung kann man das noch an den Psalmen sehen. Manche klingen auch auf deutsch noch poetisch und andere enthalten im ersten Vers eine Anmerkung zur Melodie auf die man sie singen konnte. Es ist leichter, einen Liedtext zu lernen als einen theoretischen Text.

Jesus lehrte offenbar ähnlich wie andere Rabbinen. Möglich, dass seine Predigten tatsächlich so kurz waren, wie sie uns beim Lesen erscheinen. Auch über die Evangelien hinaus sind in der Bibel und anderen Büchern Aussprüche Jesu, sogenannte Agraphen, erhalten. Im ersten Jahrhundert gab es noch viele solcher Sprüche, die jemand auswendig gelernt hatte und einige Kirchenhistoriker des ersten Jahrhunderts zogen durch die Gegend um sie zu sammeln. Eine Aufgabe der frühen Kirche war es, die echten von den falschen Aussprüchen Jesu, die man Pseudigraphen nennt, zu trennen.

Die Aussprüche Jesu zeigen, dass sich Jesus ähnlicher Stilmittel bediente wie andere Lehrer. F.F.Bruce, ein Bibelgelehrter, der sich viel mit den Schriften des Neuen Testamentes beschäftigt hat, bemerkte:

Werden die Aussprüche Jesu und die Geschichten über ihn in den Evangelien aus dem Griechischen ins Aramäische rückübertragen, “so kennzeichnet diese Reden ein regelmäßiger poetischer Stil, ja mitunter liegen sogar Reime vor”. (F.F.Bruce)[2]

Darüber hinaus benutze Jesus permanent rhetorische Mittel wie Vergleiche, Übertreibungen und Metaphern. Robert H. Stein hat sich um die Erforschung der Methoden, die Jesus beim Lehren verwandte, sehr verdient gemacht. In seinem Buch „The Method and Message of Jesus’ Teaching[3]“, das leider nur auf Englisch erhältlich ist, hat er die rhetorischen Mittel in den Lehren Jesu genau untersucht. Eine oberflächlichere Einführung gibt es auch in meinem Predigerseminar[4]. Im Anhang an dieses Kapitel gibt es noch einen kleinen Überblick über rhetorische Mittel die Jesus verwandt hat. Oft hilft es dabei die Aussage zu verstehen, wenn wir diese Mittel kennen.

Zudem benutzte Jesus meist Gleichnisse zum Lehren, in denen er sich auf alltägliche Dinge stützte. Er hatte keine logisch aufgebauten drei-Punkte-Predigten, sondern nutzte den Alltag seiner Zuhörer, um über Gottes Reich zu sprechen. Diese Bilder werden in den Köpfen und Herzen der Zuhörer geblieben sein und sie verstanden auf diese bildhafte Weise, was Jesus ihnen mitteilen wollte.

[1] Josh McDowell, Seite 29

[2] Josh McDowell, S. 464

[3] Robert H.Stein, Seiten 7-33

[4] Storch, Predigerseminar, Seiten 36-53

10 Mein Sohn, wenn die Sünder dich verführen wollen, lass dich nicht darauf ein,
11 wenn sie sagen: Komm mit uns, wir wollen im Hinterhalt liegen, um Blut zu vergiessen, grundlos dem Unschuldigen nachstellen.
12 Wie das Totenreich wollen wir sie lebendig verschlingen, ganz und gar, wie solche, die hinab in die Grube steigen.
13 Viel kostbares Gut werden wir finden, unsere Häuser werden wir mit Beute füllen.
14 Du kannst dein Los mit uns werfen, wir alle werden nur einen Beutel haben.
15 Mein Sohn, geh ihren Weg nicht mit, lass deinen Fuss nicht auf ihren Pfad treten.
16 Denn ihre Füsse laufen zum Bösen und eilen, Blut zu vergiessen.
17 Vergeblich ist das Netz ausgebreitet vor den Augen aller Vögel.
18 Sie aber lauern darauf, ihr eigenes Blut zu vergiessen, und trachten sich selbst nach dem Leben.
19 So sind die Pfade aller, die hinter Gewinn her sind: Er nimmt denen das Leben, die ihn an sich bringen. (Sprüche 1,10-19 nach der Zürcher)

Die Verführung zum Bösen ist für jeden Menschen ein Problem. Schneller Spaß und schnelles Geld erweisen sich meist im Nachhinein als sehr viel teurer als man es angenommen hat. Im Lichte des Neuen Testaments wird diese Stelle noch vergrößert. Römer 3,10-18 benutzt Elemente der Beschreibung um die ganze Welt zu charakterisieren. Die Sünder in Sprüche 1,10 stehen somit für die ganze Welt, die Menschheit schlechthin, die uns permanent zum Bösen verführen will.
Damit ist etwas über die Weisheit gesagt, das nicht schön ist: sie steht im Widerspruch zur Welt mit ihren Verlockungen. Weisheit steht damit immer in einem Kampf gegen das Schlechte, das wir uns wünschen. Jeder würde sich wünschen, dass der Weg der Weisheit einfach ist, aber das ist er nicht. Im Grunde wurde das schon in der Einleitung deutlich in der es hieß, dass Weisheit mit Gottesfurcht beginnt. Es geht darum nach einem Kodex zu leben, den die Welt nicht kennt und den sie ablehnt. Wer so lebt wird zum Widerspruch und hat sich auf manchen Konflikt einzustellen.
Natürlich gelten diese Worte den Erwachsenen nicht weniger als den Kindern. Aber es ist wichtig, es gerade den Kindern beizubringen, denn es ist schwer durch die Schulzeit zu kommen und sich von schlechten Wegen fern zu halten. Es war immer schon cooler Mist zu bauen als keinen zu bauen. Gerade in Zeiten in denen man noch keine entwickelte Persönlichkeit hat ist es wichtig gute und integre Vorbilder zu haben die glaubhaft belegen, dass man nicht alles mitmachen muss. Persönlich denke ich, dass ich mir manches hätte ersparen können, wenn ich das früher begriffen hätte.
Die Schlüsselerkenntnis ist hier, wie bei allem, was mit Sünde zu tun hat, dass Verführung süß ist, aber ein bitteres Ende hat. Die Vögel sehen nur den Köder, dennoch fängt sie das Netz. So ist es auch beim Menschen, er sieht nur die Verlockung, nicht das Ende. Manchen hilft es beim Abnehmen, sich nicht vorzustellen, wie lecker dieses Stück Schokoladentorte sein wird, sondern wie fies es sich im Magen anfühlen oder auf der Waage aussehen wird. Das ist ein effektiver psychologischer Trick, der den Blick weg von der Versuchung auf das Ergebnis richtet. Das funktioniert auch in allen anderen Bereichen; wenn man das Netz sieht, verliert der Köder seine Attraktivität.

Jesus lebte übernatürlich 2 – Die Anwendung

Wir haben bereits im vorigen Kapitel festgestellt, dass unsere Startbedingungen den Startbedingungen Jesu absolut ähneln. Jeder wiedergeborene Christ ist vom Heiligen Geist gezeugt und hat einen göttlichen Kern in sich. Nun kommt noch ein weiterer Baustein hinzu, der uns Jesus sehr ähnlich sein lässt: auch wir können mit dem Heiligen Geist getauft werden und dieselben Wunder tun wie Jesus.[1]

Ich weiß, dass es fast wie Gotteslästerung klingt, so etwas zu sagen, aber wir sollten Jesus nicht auf ein so hohes Podest stellen, dass niemand ihn mehr erreichen kann. Er ist unser Vorbild, in jedem Bereich, so auch im Übernatürlichen. Wenn wir mit dem Heiligen Geist erfüllt sind, lebt in uns dieselbe Kraft, die Christus von den Toten auferweckt hat (Römer 8,11). Wir müssen verstehen, dass es nur einen Heiligen Geist gibt. Derselbe Heilige Geist, der in uns lebt, lebte in Jesus. Es ist derselbe Heilige Geist, den auch John G. Lake  und Maria Woodworth-Etter und alle anderen „großen“ Heilungsprediger hatten. Alle, die positive Erfahrungen im Heilungsdienst gemacht haben, taten das in der Kraft desselben Heiligen Geistes. Und dieser Heilige Geist lebt in Dir!

Der Mensch Jesus gab uns ein Beispiel dafür, was der Leib Christi tun soll. Er war der Leib Jesu, heute sind wir – seine Kirche – sein Leib. Wir haben denselben Auftrag und Geist, den Jesus hatte; es gibt ja nur einen Heiligen Geist! Dieser lebt heute in jedem geisterfüllten Gläubigen, der Jesus nachfolgt, deshalb können und sollen wir dieselben Wunder vollbringen wie er! Jesu hat an mehreren Stellen klar darüber gelehrt, dass wir seinen Fußstapfen auch – und gerade – im Übernatürlichen folgen sollen:

Als sie am nächsten Tag Betanien verließen, hatte er Hunger.

13 Da sah er von weitem einen Feigenbaum mit Blättern und ging hin, um nach Früchten zu suchen. Aber er fand an dem Baum nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit der Feigenernte.
14
Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll niemand mehr eine Frucht von dir essen. Und seine Jünger hörten es.
(…)
20
Als sie am nächsten Morgen an dem Feigenbaum vorbeikamen, sahen sie, dass er bis zu den Wurzeln verdorrt war.
21
Da erinnerte sich Petrus und sagte zu Jesus: Rabbi, sieh doch, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt.
22
Jesus sagte zu ihnen: Ihr müsst Glauben an Gott haben.
23
Amen, das sage ich euch: Wenn jemand zu diesem Berg sagt: Heb dich empor, und stürz dich ins Meer!, und wenn er in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass geschieht, was er sagt, dann wird es geschehen.
24
Darum sage ich euch: Alles, worum ihr betet und bittet – glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil. (Markus 11,12-24)

Jesus konnte an dem Baum keine Feigen erwarten, denn es war noch nicht die Zeit dafür. Allerdings haben Feigenbäume, bevor sie die eigentliche Frucht hervorbringen, schon Frühfeigen. Wenn am Baum Blätter sind, kann man davon ausgehen, dass er auch Frühfeigen hat. Diese Vorfrüchte schmecken noch nicht besonders gut, es sind eben unreife Feigen, aber wenn man Hunger hat, kann man sie schon essen.

Jesus suchte also an dem Baum Frühfeigen und fand sie nicht. Er ging dann hart mit ihm ins Gericht, und der Baum begann sofort von der Wurzel an zu verdorren. Als sie einen Tag später wieder an der Stelle angekommen waren, sahen sie zu ihrer Verwunderung, dass der Baum komplett verdorrt war.

Jesus nahm die Geschichte zum Anlass, um sie etwas über Gebet zu lehren. Er sagte nicht, dass er diese Dinge tun konnte, weil er Gott war, sondern er lehrte seine Jünger, dass sie noch ganz anderes tun könnten, wenn sie nur Glauben hätten. Jesus gibt uns hier einen Schlüssel, wahrscheinlich sogar DEN Schlüssel zu seinen Wundern: Glaube.

Man kann die Bedeutung des Glaubens gar nicht überbetonen. Glaube ist die himmlische Währung, die alles kaufen kann, er ist der Generalschlüssel zu allen Verheißungen Gottes und zu seiner Kraft. Nach der Theologie der meisten Christen hätte Jesus etwas in dieser Richtung sagen müssen: „Ich bin der Sohn Gottes, und deshalb kann ich diese Dinge tun. Ihr könnt das nicht, weil ihr nicht seid wie ich. Versucht das also nicht zuhause nachzumachen, Jungs!“ Stattdessen ermutigte er sie, dass sie sogar zu Bergen sprechen und für alles beten könnten, wenn nur der Glaube stimmen würde.

Wenn heute Christen sagen, dass wir nicht einmal versuchen sollten, dieselben Sachen zu machen wie Jesus, dann haben sie einen der Hauptpunkte seines Dienstes schlichtweg nicht verstanden. Es ist unser Auftrag und unser Vorrecht, im Glauben Berge zu versetzen. Egal, um welchen Berg es sich in Deinem Leben handelt, egal ob es Krankheit, Armut oder irgendetwas anderes ist, Du kannst im Glauben dazu sprechen. Egal, was Du brauchst, Du kannst im Glauben dafür beten und wirst es empfangen! Das ist eine Verheißung, ein Versprechen Jesu.

Statt seine Jünger zu entmutigen, seinem Vorbild zu folgen, weil sie es ohnehin nicht geschafft hätten, forderte Jesus sie heraus, dasselbe zu tun wie er und für noch mehr zu glauben:

Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. (Johannes 14,12)

Wenn man die Bibel ernst nimmt, ist das sicher eine der herausforderndsten Stellen überhaupt. Sie zeigt, dass es Jesu eigentliche Absicht war, seine Jünger zu Wundertätern auszubilden. Wenn er einmal nicht mehr leiblich bei ihnen wäre, sollten sie dieselben Taten vollbringen wie er und noch größere. Ebenso wie Jesus den Vater verherrlichte, sollen nun wir ihn verherrlichen. Was für ein wundervoller (im wahrsten Sinne des Wortes!) Auftrag.

Der Auftrag kommt sehr klar im Missionsbefehl heraus. Es gibt nur einen Missionsbefehl, den Jesus seinen Jüngern weiter gegeben hat. Er ist zwar in mehreren Fassungen wiedergegeben worden, je nachdem was dem jeweiligen Autor des Evangeliums am wichtigsten war, aber es war derselbe Auftrag. Seltsamerweise wird er fast immer nach Matthäus zitiert: „geht hin in alle Welt und macht alle Menschen zu Jüngern, indem ihr sie lehrt…“ Ich vermute, das liegt daran, dass wir uns mit der Matthäusfassung wohler fühlen weil sie nicht so übernatürlich ist wie Markus. „Gehen“ und „lehren“ kann man lernen, dafür braucht man scheinbar keinen Heiligen Geist, ein Bibelstudium reicht.

Es wäre aber eine grobe Verkürzung, wenn wir den Auftrag Jesu nur nach Matthäus predigen würden. Markus wirft ein wichtiges Licht darauf, wie wir unseren Auftrag erfüllen können. Nämlich in übernatürlicher Kraft:

Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden;
18
wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.
19
Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.
20
Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ. (Markus 16,17-20)

Diese Zeichen werden denen folgen, die gläubig sind. Der letzte Vers zeigt auch noch einmal deutlich, wie wichtig diese Zeichen und Wunder für Evangelisation sind. Sie weisen uns aus. Wenn Gott nicht nach der Verkündigung einmal kräftig „Amen!“ ruft, dann fehlt etwas.

Wir haben uns im Laufe der Kirchengeschichte ein falsches Bild davon angeeignet, was „jesusmäßig“ ist. Christusnachfolge ist zu einer Ansammlung ethischer Regeln geworden. Wie wir gesehen haben ist es auch nicht ganz verkehrt oder schlecht, denn die Nachfolge hat tatsächlich viel mit Heiligkeit zu tun, aber es ist unvollständig. Das Besondere an Jesus war nicht nur seine Heiligkeit; speziell sein Dienst war von Anfang bis Ende von einer starken Übernatürlichkeit geprägt, die wir ebenso begehren sollten wie seine Heiligkeit.
[1] Die Lehre von der Geistestaufe ist nicht Teil der Christologie. Klassisch macht die Pneumatologie, die Lehre vom Heiligen Geist einen eigenen Teil der systematischen Theologie aus. Insofern auch der Mensch davon betroffen ist, geht es auch in die Anthropologie, die Lehre vom Menschen hinein.

[Audiopredigt dazu]

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