bei meinen recherchen zum guten alten “frauenthema” bin ich auf die bibel in gerechter sprache gestossen, ein übersetzungsprojekt mit vielen theologen (da wimmelt es nur so vor “prof”s und “dr”s), dass es sich zur aufgabe macht, die bibel “geschlechtsneutral” zu übersetzen. das werk soll noch dieses jahr im gütersloher verlagshaus erscheinen. derzeit gibt es noch wenig wirbel in evangelikalen kreisen, aber vereinzelt werden stimmen laut, diese übersetzung genauso zu boykottieren wie die VOLXBIBEL.

kennt einer von euch das projekt näher? ich habe mir ein mp3 von genesis 1 angehört und fand die übersetzung gar nicht schlecht. auch ein paar leseproben in den newslettern fand ich gut. natürlich ist manches etwas fremd, wenn etwa gott wechselnd als “er” und “sie” benannt wird; theologisch ist es aber sicher nicht falsch, denn gott ist kein mann und offenbart sich gelegentlich auch mit weiblichen metaphern.
sehr gut gefällt mir die konsequente ausmerzen des “brüder”, stattdessen wird “geschwister” übersetzt.
generell wird sehr transparent erläutert, wieso welche stellen wie übersetzt werden. das fehlt mir bei anderen übersetzungen ja immer. oft verstehe ich nicht, wieso eine übersetzung so und nicht anders übersetzt, aber es gibt keine möglichkeit heruaszufinden, warum.

insgesamt ist mein erster eindruck positiv, wenn auch manchmal herausfordernd. wobei der beigeschmack bleibt, dass die bibel eventuell zeitgeistliche “angepasst” und weichgespült wird. gibt es meinungen zu dem projekt?

hier ein vergliche einiger verse, aus dem fünften newsletter:

156 Kommentare

  1. Gott nicht nur als männliche sondern auch als weibliche Person zu verstehen – damit habe ich kein Problem. “Gott schuf den Menschen als sein Abbild -als Mann und als Frau”. Das hab ich hier schon mindestens einmal, vermutlich auch mehrmals geschrieben. aber wer liest schon alle kommentare immer mal wieder? meistens guckt man sich ja nur die letzten Kommentare an… erst recht bei 150+ Kommentaren ;-)

  2. hey maxie,
    vielen dank. und dennoch: bleib doch noch! wir haben uns gerade alle an dich gewöhnt und du bist eine kluge gesprächspartnerin.

  3. …und wenn die Theologin aus dem Team mal hier nen Kommentar hinterlässt bzw. bissl mitdiskutiert, das fänd ich schick.

    (@storch: es gibt bestimmt geile WordPress-Plugins, die dabei helfen, den lesern solch ellenlange kommentarschlangen angenehmer zu machen. Hab mich damit bisher noch nicht beschäftigt, da auf meinem Blog sich die kommentarlänge in Grenzen hält)

  4. Liebe Leute,
    ich gehöre zum BigS-Team und habe die Einträge interessiert gelesen. Maxie hat mich angesprochen. Toll, wie Ihr Euch mit der Bibel und deren Auslegungen auseinandersetzt.
    Etwas fiel mir auf: Nicht immer unterscheidet Ihr zwischen dem ursprünglichen Text und der Übersetzung. Wir vom Team legen großen Wert darauf, so zu übersetzen, wie es ursprünglich gemeint war, ob uns das Gemeinte passt oder nicht. Das die Frauen schweigen sollen (1. Kor 14,26), wird übersetzt, denn es steht im Griechischen. Am Rand findet Ihr einen Verweis auf Röm 16,1-7. Dort grüßt und lobt Paulus viele Frauen, darunter Diakoninnen und die Apostellin Junia – einer der vielen Belege, dass Frauen nicht geschwiegen haben und dass deren Stimmen sehr wichtig waren. Ein weiterer Verweis führt nach Mt 28,7. Dort fordert der Bote Gottes die Frauen am Grab auf, den übrigen Jüngerinnen und Jüngern von Jesu Auferstehung zu erzählen. Wenn sie geschwiegen hätten, wüssten wir heute nichts von der Auferstehung.
    Ich könnte noch viel schreiben. Aber ich muss es nicht. Lest selbst! Nehmt BigS in die Hand und lest erst einmal – wie bei jedem anderen Buch auch – die Einleitung. Dann erledigen sich viele Fragen von selbst.
    Viel Freude dabei,
    Anna

  5. Hier wurde ich oben angesprochen:

    >Entschuldigung, hab noch was zu Maries Erläuterungen vergessen:
    Warum werden in den Urtexten denn immer männliche Begriffe verwendet?
    Weil Männer die Texte geschrieben haben.

    Die Männer haben aber an mindestens einer Stelle Gott sogar als Gebärende apostrophiert. – - Es ist für den Leser von Wichtigkeit, real erkennen und überprüfen zu können, was da gesagt worden ist.

    Wo Gott mit männlicher Verbform apostrophiert wird, nämlich immer da, wo im Hebräischen überhaupt die Option besteht, hat diese männliche Form ebenfalls in der Zielsprache zu erscheinen, wenn die ein grammatisches Geschlecht besitzt. Alles andere ist eine verfälschende Bevormundung des Lesers.

    In Anmerkungen und Kommentaren kann man immer noch auf das Problem hinweisen, aber der Text darf nicht ohne Not verändert werden.

    >Es ist immer leicht zu sagen, die andere formulierung ist irgendwie mit enthalten. Und natürlich wussten die Verfasser, dass Gott weder männlich noch weiblich ist. Aber wie wir merken, gibt es Menschen die sehr viel Wert auf eine Formulierung legen und auch gar nicht bereit sind, “das andere mitzudenken”.

    Dann muss ihnen das erklärt werden. Das berechtigt keinen, unter dem Signum “Übersetzung”den Text zu verändern, wenn eine genaue Wiedergabe in der Zielsprache möglich, dh idiomatisch und verständlich ist. Ein Übersetzer ist nicht dazu berufen, den zu übersetzenden Text zu verbessern. Schon gar nicht bei einem Text wie der Bibel, von dem der Leser Zuverlässigkeit erwartet.

    Es war vor Luther ja so, dass die Kirche massenhaft Bibelparaphrasen von zuckrigster Süßigkeit für das Volk bereitstellte. Eine wirkliche Übersetzung durfte nur unter so schwierigen Bedingungen gemacht und verbreitet werden, dass es jahrhundertelang keine gab (oder nur ganz unlesbare Wort-für-Wort-Versionen aus dem Lateinischen).

    Wer solchen moralischen Erwägungen zuliebe, und sei es einem vermeintlichen Gerechtigkeitsgedanken zuliebe, das Bestreben nach Genauigkeit von vornherein über Bord wirft, der verfällt in den Stil der vor-Luther-schen Bibelparaphrasen zurück. Es ist genau dieselbe Bevormundung des Publikums, ebenfalls unter dem Vorwand höher moralischer Vorsätze.

    >und könnte es nicht sein, dass gerade die Vielseitigkeit der Möglichkeiten für den Gottesbegriff (also auch dieAuswahl, die man als Leser/in hat) dazu führt, Gott als den wahrzunehmen, der sein wird, also als nicht greifbar, nicht in Worte und Formulierungen einzwängbar?”

    So nett das auch wäre, auch das ist dann keine Übersetzung.

    Nun noch ein Wort zu der Behauptung Annes:

    > Wir vom Team legen großen Wert darauf, so zu übersetzen, wie es ursprünglich gemeint war, ob uns das Gemeinte passt oder nicht.

    Angesichts der zahlreichen willkürlichen Eingriffe in den Text ist diese Aussage grotesk. Man sieht nämlich in Wirklichkeit auf Schritt und Tritt, dass der Anspruch, so genau wie möglich den vorliegenden Text ins Deutsche hinüberzubringen, ohne Not aufgegeben worden ist.

    Und nicht nur an den sprachwissenschaftlich unzünftigen markierten dauernden “-innen”-Formen, die auch in neutralen Texten nur den natürlichen Hang der Sprache zur Ausdrucks-Ökonomie unterdrücken, zu die aber der Grundtext überhaupt nie den Übersetzer zwingen würde.

    Item. “Du sollst nicht ehebrechen”. Da steht im Hebräischen das Verb “na’af”, das in der Biblia Hebraica etwa ein halbes Dutzend mal vorkommt und ausschließlich im Sinne von “ehebrechen” verwendet wird.

    Es besteht vom Grundtext her nicht der Schatten eines Anlasses, daraus, wie es geschehen ist, “Du sollst keine Lebenspartnerschaften verletzen” zu machen. Weitergehende Spekulationen, was hier vielleicht gemeint sein könnte, gehörten in Anmerkungen und Kommentare. Dem Leser, der den Grundtext nicht auf Hebräisch überprüfen kann, aber die Aussage des Grundtextes zu entziehen, wie hier geschehen ist, das ist dieselbe Bevormundung wie in den Bibelparaphrasen vor über 500 Jahren.

    Wo ist aus dem befreienden Impetus geworden, der es dem Leser selber zutraut, die Bibel zu lesen und zu interpretieren, mit dem die Humanisten und Reformatoren angetreten waren?

    Wieso dachten Sie, hier dem Leser Ihre privaten Interpretationen vorschreiben zu müssen, die der Text nicht hergibt?

    Wir haben es in diesen und andern Fällen eben nicht mit Unübersetzbarkeit zu tun, wo man nach einer Behelfslösung in der Zielsprache suchen muss. Hier KANN das, was auf Hebräisch ganz schlicht da steht, auch auf Deutsch ganz schlicht so wiedergegeben werden. Also MUSS es auch so wiedergegeben werden.

    Weitere Beispiele auf Wunsch.

    Dass es eine letztinstanzlich korrekte Übersetzung eines Texts normalerweise nicht geben kann, ist keine Entschuldigung für solche willkürlichen Abweichungen, wo sie überhaupt nicht nötig wären.

    Wenn das eine adäquate Übersetzung sein soll, dann ist alles falsch, was ich jemals zur Übersetzungstheorie gelernt habe.

  6. >Gott nicht nur als männliche sondern auch als weibliche Person zu verstehen – damit habe ich kein Problem. “Gott schuf den Menschen als sein Abbild -als Mann und als Frau”.

    Richtig. Und er ist im Alten Testament auch nicht als Mann gemeint, sondern als Gott. Dennoch werden ihm grammatisch und oft auch in der dichterischen Anschauung, die vermittelt wird, männliche Attribute beigelegt.

    Die männliche Anschauungsform zu Gott ist sozusagen die unmarkierte. Oder auch: Der Gattungsbegriff Gott ist maskulinum (wie der Gattungsbegriff deutsch ‘Hund’). Eine weibliche Anschauung wird von Gott nur an den ein oder zwei Stellen metaphorisch beigelegt, wo es den Autoren auf die Vermittlung auch einer weiblichen Anschauung (Gott als Gebärende) ankommt. Ebenso wie man von “Hündin” im Deutschen nur dann spricht, wenn es auf das weibliche Geschlecht des Tiers ankommt.

    Dieser ganze stilistische Effekt kann auch in der Zielsprache Deutsch mit Leichtigkeit vermittelt werden. Also muss er auch so vermittelt werden, wenigstens in einer Übersetzung.

    Man könnte bei der ersten Gotteserwähnung auf das theologische Problem der Ungeschlechtlichkeit Gottes in einer Anmerkung hinweisen, aber damit muss es auch genug sein.

    Der pausenlose Wechsel zwischen männlichen und weiblichen Fürwörtern in dieser Version führt statt zu der gewünschten Abhebung Gottes von der Geschlechterspaltung zu nichts anderm als zu einer Totalsexualisierung des Gottesbildes, als ob es ständig nur darauf ankomme, dass Gott weiblich und männlich zu denken sei, eine Idee, mit der die biblischen Autoren wahrlich nichts im Sinne hatten und die den Leser noch viel mehr irreführt als der Gebrauch der unmarkierten Maskulinum-Formen, die der Grundtext selber vorgibt.

4 Pingbacks

  1. [...] Durch einen Beitrag in Storch’s Blog bin ich auf diese Seite gestossen. Ich bin ja mal gespannt, ob es da auch so einen Wirbel wie um die Volxbibel geben wird. [...]

  2. [...] ach und steht eigentlich bei der BigS wandpisserInnen und sitzpinklerInnen? davie, davie! zeig mir wohin es geht, davie, davie! was in der bibel steht. bumm, ahh! bumm, ahh! ich will ein herz, das für gott schlägt! bumm, ahh! bumm, ahh! ich will ein herz, das für gott schlägt! [...]

  3. [...] Letzte Woche bekam ich mein Exemplar der neuen Bibelübersetzung. Teilweise sehr interessant, teilweise merkwürdig, teilweise provokant, teilweise bedenklich. So denke ich darüber. Habe auch schon mit anderen aus unserer Gemeinde interessante Gespräche darüber gehabt. Dann wollte ich mal wissen, was andere so denken. Und gab “Bibel in gerechter Sprache” in Google ein. (Ich habe mir Google so eingestellt, dass ich immer 100 Treffer auf einmal pro Seite bekomme.) Unter den ersten 100 Ergebnissen waren vielleicht so ein Dutzend offizielle Ankündigungen und Pressetexte der Herausgeber. Von den restlichen Treffern waren fast alle so entsetzlich, dass ich mich fast geschämt habe, ein Christ zu sein. Was treibt sich denn da für ein Volk im Internet herum? So viel Hochmut, Selbstgerechtigkeit, Verblendung, Intoleranz, Abwertung und Dummheit auf einem Haufen habe ich noch nie erwischt. So vielleicht zehn Treffer waren besser bis gut. Die wenigen sehr guten möchte ich hier anpreisen: RKK Basel-Stadt – Pro-Kontra EED Andacht über diese Bibelübersetzung als PDF Hasos Tafel: Charisma oder Chromosom storchs blog Was nicht heißt, dass ich mit den hier zitierten Meinungen voll übereinstimme, ich meine nur, hier wurde nicht polemisiert, verurteilt, abgelehnt, sondern mit Verstand und Glauben sorgfältig abgewogen und geprüft, so wie es uns aufgetragen ist. [...]

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