30. April 2006 8
soziale Gerechtigkeit – Hiob 31,15-22

Hat nicht mein Schöpfer auch ihn [den Armen] im Mutterleib geschaffen, hat nicht der Eine uns im Mutterschoß gebildet?
Wenn ich der Armen Wunsch versagte, verschmachten ließ der Witwe Augen, wenn ganz allein ich meinen Bissen aß, das Waisenkind aber nicht davon aß – von Jugend an hat wie ein Vater er mich großgezogen, vom Mutterschoß an mich geleitet -, wenn ich den Verlorenen sah ohne Kleid und ohne Decke den Verarmten, 20 wenn nicht seine Lenden mir dankten, er nicht von der Schur meiner Lämmer sich wärmte, wenn meine Hand der Waise drohte, weil ich am Tor Helfer für mich sah, dann falle die Schulter mir vom Nacken, breche der Arm mir aus dem Gelenk. (Hiob 31,15-22)
In der ganzen Bibel, nicht nur im Alten Testament, nimmt der soziale Auftrag der Gläubigen einen grossen Raum ein. Gott hat uns gesandt, um seine Liebe zur Welt in der Welt praktisch werden zu lassen. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den Lebensumständen der Menschen damals und heute, speziell in Europa. Ich habe noch nie einen Nackten in unserem Gottesdienst gesehen und auch noch nie jemanden getroffen, der buchstäblich am Verdursten war. Dennoch kann Elizabeth Achtemeier in ihrem Kommentar zu Amos schreiben: “the situation was not too different from that found in any prosperous modern nation”1. Selbst wenn es nicht unüberbrückbare finanzielle Not ist, die in unseren Städten und Gemeinden vorherrscht, ist dennoch Not da. Vor einigen Tagen postete Haso über Gewalt an Schulen; ein Thema, dass uns immer mehr beschäftigen wird und in dem Christen absolut gefragt sind. Andere Themen könnten Vereinsamung sein oder Verwahrlosung, oder Kriminalität oder… Da gibt es sicher viele Bereiche in unseren Städten, in denen wir uns engagieren könnten um den Menschen einen liebenden Gott vorzustellen.
Ich habe jüngst über dieses Thema gepredigt. Zwei Predigten die aussagen, dass es nicht reicht zu beten sondern Gott uns auffordert mit Hand anzulegen. Die Predigten gibt es hier: 1|2
Mein Gefühl ist, dass immer mehr Christen sich mit diesem Thema auseinandersetzen und aktiv werden. Einen interessanten und lesenswerten Beitrag leistet Mark immer wieder, in seinem Blog gehen viele Posts in diese Richtung. Vielleicht kommt ja wieder eine Zeit in der die Welt uns nicht mehr nur über Gottes Liebe reden hört sondern uns diese Liebe aktiv vermitteln sieht. Das fände ich grossartig!
Ich beende diesen Eintrag mit einer Frage: Gibt es bei Dir in der Gemeinde eine Arbeit, die auf Eure Stadt und deren Nöte ausgerichtet ist? Engagierst Du Dich vielleicht selbst in dieser Richtung? Mich würde interessieren, was dabei herauskommt.
- Achtemeier, Elizabeth: Minor Prophets I, NIBC, p.170 [↩]
haso schrieb am
30. April 2006 um 11:00auch heute habe ich meinen etwas längeren comment als eigenen eintrag geschrieben. volle zustimmung.
Wolfgang-von-Monts schrieb am
30. April 2006 um 13:46…
storch schrieb am
30. April 2006 um 14:18ich habe in dem post vergessen zwei blogs zu erwähnen, die sich auch viel mit dem thema “soziale gerechtigkeit” beschäftigen. um diesen faux pas gut zu machen, reiche ich die links hiermit nach:
http://guerillachrist.blogspot.com/
http://isenhut.blogspot.com/
Marcel Redling schrieb am
20. Dezember 2011 um 14:51Vielen Dank für den super Artikel. Marcel
Gregor Schumacher schrieb am
20. Dezember 2011 um 23:35Meine Frage lautet eher:
Richtest du dein Christsein auf die Nöte deiner Stadt aus; über das Gebet hinaus? Ist meine Geminde dafür verantwortlich oder bin ich es?
storch schrieb am
21. Dezember 2011 um 10:15Die Gemeinde kann gar nichts machen, sie hat keine Arme und Beine. Nur die Menschen in der Gemeinde können etwas machen. So lange immer alle sagen: “Die Gemeinde müsste…” wird nichts passieren.
Marcel Redling schrieb am
21. Dezember 2011 um 10:24“Christus hat keine Hände,
nur unsere Hände um seine Arbeit zu tun.
Er hat keine Füsse, nur unsere Füsse,
um Menschen auf seinen Weg zu führen.
Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen,
um Menschen von ihm zu erzählen.
Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe,
um Menschen an seine Seite zu bringen.
Wir sind die einzige Bibel,
die die Öffentlichkeit noch liest.
Wir sind Gottes letzte Botschaft,
in Taten und Worten geschrieben…
Und wenn die Schrift gefälscht ist,
nicht gelesen werden kann?
Wenn unsere Hände andere Dingen tun als die seinen?
Wenn unsere Füsse dahingehen, wohin die Sünde zieht?
Wenn unsere Lippen sprechen, was er verwerfen würde?
Erwarten wir, ihm dienen zu können, ohne ihm nachzufolgen? – Theresa von Avila
storch schrieb am
21. Dezember 2011 um 10:38Schönes Gedicht. ich hatte es mal irgendwo gelesen, wusste aber nicht dass es von Theresa ist. Danke.